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DOCUMENT
53
AUGUST-SEPTEMBER 1899
53.
From
Mileva Maric
[Kac,
after
10
August-before 10 September
1899][1]
L[ieber]
H[err]
E[instein]
Ihre beiden
Briefchen[2]
haben mich
glücklich
in
unserer
Einsiedelei[3]
gefunden;
schönen Dank dafür und bitte recht bald wieder
um
eines. Sie
werden doch nicht auf
mich
schauen
wenn
ich
Ihnen
jetzt gerade
auch
etwas
weniger
schreibe,
Sie der
so
viel Zeit
zur
Verfügung
hat. Ihre
Briefe
heimeln
mich
jedes
mal
so
schön
an.
Aus der Reihe der
gemeinsamen
Erlebnisse hat
sich
noch
ganz
verstohlen
ein
sonderbares Gefühl
gebildet,
das
bei
leisestem
Antipen
sofort wach
wird,
auch ohne dass
die
Erinnerung
ans
Einzelne
gerade
recht
zum
Bewusstsein
kommt,
und
welches
macht,
dass
es
mir
jedes
mal
gerade
vorkommt,
ich
wäre wieder
in
meinem Zimmer.
Sie
haben
Recht,
dass
Sie
wenig
studieren,
wenn es nur war ist, ganz
ist
dem Landfrieden schwer
zu
glauben,
machen
Sie
lieber recht schöne
Spazier-
gänge,
wo
Sie
so
gut Gelegenheit
haben. Ich bin
die
ganze
Zeit noch nicht
weiter
von
unserem
Garten
gekommen,
in die
Stadt
gehen
wir
jetzt gar
nicht,
es
sind
viele
Fälle
von
Scharlach und
Diphtärie vorgekommen,
und da bleiben
wir
lieber
in
unserer
frischen
gesunden
Luft.
N[eusatz]
ist ein
recht
ungesundes
Nest,
und
jetzt
ist
noch
eine
schreckliche Hitze.
Bei
uns
blühen die Weichsel-
Bäume
zum
2ten
Mal.
Sagen
Sie
einen schönen
Gruss
an
Frau
Einstein
und Frl.
Maja; es
wird
mich freuen
wenn
sie
mir
schreibt,
(natürlich
wenn
Sie
erlauben,
ich
begreife
nicht, warum nicht,
ausser
wenn
Sie
wirklich einen
Grund
haben).[4]
Das
"stopfen" geht langsam
vorwärts.[5]
Fiedler macht mir
viel Kummer,
das
scheint mir der
längste
Knödel
zu
sein.[6]
Sie
könnten mir
ein
bisschen schrei-
ben
wie's
auf dem Examen
zugeht,
aber
Sie
müssen wieder nicht
meinen,
dass der
Brief
nur
mit der
Beschreibung
ausgefüllt
sein soll.
(zur Vorsorge)
Fragen
Fiedler
und
Herzog[7]
auch
spezielle
Sachen,
Beispiele,
oder
nur
allgemeines?
Und auch noch
eine
andere Bitte hätte
ich
an
Sie, wenn
Sie
nach Zürich kommen lassen
Sie
mir
bei
der Frau Markwalder ihr Heft über
Wärmetheorie,
ich
möchte noch
einiges
nachsehen.[8]
Sie
schreiben
gar
nicht
wann
Sie
vom
Paradies
weggehen.
Ich werde
war-
scheinlich
am
25. in
Zürich
sein
und
anstatt
mich
zu
freuen,
gehe
ich
mit
so
geteilten
Gefühlen
hin,
haben
Sie
nicht Mitleid mit
mir.[9]
Nicht
war, Sie
lassen Niemand
meine
Briefe
lesen,
das müssen
Sie
mir
versprechen;
Sie
sagten
einmal, Sie
hätten
das
profane
nicht
gerne,
und
wenn
mir das
profan
scheint,
können
Sie
es
mir
schon
tun! Was meinen
Sie.
Das
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