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DOCUMENT
68
JULY 1900
68.
To Mileva Maric
[Melchtal,] Sonntag
Früh.
[29?
July
1900][1]
Mein liebstes Doxerl!
Da
ich
schreib
in
meinem
Bett,
Wirds halt nicht
so
furchtbar
nett!
Doch
nur
immer
frisch
drauf
los
geschmiert,
Das Doxerl
sich
doch dafür
interessiert!....
VorGestern[2]
kam
ich
also
planmäßig
mit der Schauertante
in
Sarnen
an,
wo
uns
Mama,
Maya
und ein
Wagen
erwarteten.[3]
Darauf
wurde ich
abgebusselt.
Dann fuhren
wir
ab;
doch bald
stiegen Maya
und
ich ab,
um
etwas
mit
zu
wandeln.
Bei
der
Gelegenheit sagte
mir
Maya,
daß
sie
es
nicht
gewagt
habe,
etwas
über
die
"Dockerlaffäre"
zu
berichten,
auch bat
sie
mich,
ich solle die
Mama "schonen"-das
soll
heißen-nicht
mit der Thüre
ins
Haus
fallen.
Wir kommen
heim,[4]
ich auf Mamas Zimmer
(Unter
4
Augen).
Zuerst muß
ich
ihr
vom
Examen
erzählen,[5]
dann
frägt
sie
mich
so
recht harmlos:
"Nun,
und
was
wird denn
aus
Dockerl?".
"Meine
Frau"
sag
ich
ebenso harmlos
doch auf
eine
gehörige
"Szene"
gefaßt.
Die kam auch
gleich.
Mama warf
sich
auf
ihr
Bett, verbarg
den
Kopf
in
den Kissen und weinte
wie ein
Kind.
Als sie
sich
von
dem
ersten
Schreck erholt
hatte,
ging
sie
sofort
zu
einer
verzweifelten
Offensive über:
"Du vermöbelst Dir Deine Zukunft und
versperrst
Dir Deinen
Lebensweg".
"Die
kann
ja
in
gar
keine
anständige
Familie".
"Wenn
sie ein
Kind
bekommt,
dann hast Du
die
Bescherung".
Bei
diesem letzten
Ausbruch,
dem noch mehrere
vorangegangen waren,
brach mir endlich
die
Geduld. Ich
wies
den
Verdacht,
daß wir unsittlich
zusammen gelebt
hätten,
mit aller
Energie zurück, schimpfte
tüchtig
&
wollte eben das Zimmer
verlassen,
als
Mamas
Freundin,
Frau Bär
ins
Zimmer
trat,[6]
ein
kleines frisches Weiblein
mit
vielem Leben,
so
eine
Henn
von
der
nettesten
Art. Da
sprachen
wir sofort
mit
größtem
Eifer
vom
Wetter,
von neuen
Kurgästen, ungezogenen
Kindern
etc.
Nun
gings
zum Essen,
dann musizierten
wir etwas. Beim
"Gute
Nacht"
unter 4
Augen
ging
wieder dieselbe Historie
los,
doch
"piu piano".
Am
folgenden Tage
war
das
Ding
schon
besser,
und
zwar,
wie sie
selbst
sagte,
aus
folgendem
Grunde:
"Wenn
sie
noch kein
(von
ihr
so
gefürchtetes)
Verhältnis
gehabt
haben und noch
so
lange
warten
wollen, so
werden
sich
schon noch Mittel und
Wege
finden".
Nur
das
ist
sehr
fatal,
daß
wir
immer
beisammen bleiben
wollen.
Die
Bekehrungsversuche
beruhten
in
Reden
wie:
"Sie
ist ein Buch wie
Du-Du
solltest
aber
eine
Frau
haben".
"Bis
Du 30
bist,
ist sie
eine alte
Hex"
etc.
Doch
da
sie
sieht,
daß
sie
vorläufig
absolut nichts
ausrichtet,
sondern
mich
nur
böse
macht,
hat
sie
einstweilen
die
"Behandlung"
aufgegeben.
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