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DOCUMENT
130
DECEMBER
1901
130.
To Mileva Maric
Schaffhausen
Donnerstag. [19
December
1901][1]
Mein
liebes Schatzerl!
Schon
wieder
gute
Nachrichten!
Halt, zuerst
noch
eine
herzliche
verspätete
Gratulation
zu
Deinem
Geburtstagerl
von
gestern,
an
das
ich
schon wieder
vergessen
hatte. Aber hör einmal
& sei
vor
Freude
umarmt
und
geküßt!
Haller[2]
hat mir
eigenhändig
einen
freundlichen Brief
geschrieben
und mich
aufgefordert,
mich
schleunigst
um
eine
neugeschaffene
Stelle
am
Patentamt
zu
bewerben![3]
Nun
ist
kein
Zweifel
mehr.
Großmann
hat mir schon
gratuliert.
Ich widme ihm meine Doktorarbeit,
um
mich ihm
irgendwie
dankbar
zu
erweisen.[4]
Der hat
gezeigt,
daß
er
ein
rechter Kerl
ist!
Und Du wirst bald
mein
glückliches
Weiberl,
paß
nur
auf.
Jetzt haben
unsere
Leiden
ein
Ende.
Nun
sehe ich erst, wie lieb ich
Dich
habe,
da der
arge
Druck der Verhältnisse
nicht mehr auf mir
lastet!
Gewiß wird
alles
bald entschieden
sein.
Jetzt
darf
ich
bald mein Doxerl in den
Arm
schließen und
es vor
aller Welt mein
eigen
nennen.
Bald bist
Du wieder
grad
so
meine "Studentin"
als
wie in
Zürich.
Freust'
Dich?
Heute
war
ich
den
ganzen Nachmittag
beim Kleiner[5] in
Zürich und hab
ihm meine
Ideen
zur Elektrodynamik bewegter Körper
erklärt
&
auch
sonst
über
alle
möglichen
physikalischen
Fragen
mit ihm
gesprochen.
Er
ist
doch
nicht
ganz
so
dumm
wie ich
gemeint habe,
und
vor allem, er
ist ein
guter
Kerl. Er hat
gesagt,
ich
dürfe
mich,
wenn
ich eine
Empfehlung
brauche,
stets
auf ihn berufen. Ist das nicht
nett
von
ihm?
In den Ferien muß
er
verreisen
und
die
Arbeit hat
er
noch nicht
gelesen.[6]
Ich
hab ihm
gesagt,
er
solle sich
nur
Zeit
nehmen,
mir
pressiert es
nicht. Er
riet
mir,
meine Ideen über elektro-
magnetische
Lichttheorie
bewegter Körper
zu
veröffentlichen
sammt
der
experimentellen
Methode.[7]
Er
fand,
daß
die
von
mir
vorgeschlagene
experi-
mentelle Methode
die
denkbar einfachste und
zweckmäßigste
sei.
Ich
war
sehr erfreut über
den
Erfolg.
Gewiß werde
ich
in den nächsten Wochen
die
Abhandlung
verfassen.
In den Ferien
bleibe ich hier, die
beiden Weihnachts-
feiertage
aber
verbringe
ich
mit meiner Schwester
in
Paradies,
in
traulicher
Wintereinsamkeit.[8] Wenn Du
nur
auch dabei
sein
könntest! Aber
unser
Para-
dies
kommt bald nach. Ich bin
ganz rappelköpfig
vor
Vergnügen.
Ob der
Engländer
mit nach Bern
geht,[9]
ist
noch nicht
sicher-aber
unter
diesen
Umständen
ist
mirs ziemlich
schnuppe.
Der alte elende
Kerl[10]
wird
schauen,
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