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zurück, die Dich hier in Leiden
umgab[3]
—vergegenwärtige Dir lebhaft was Du
uns bist—dann muss jede Spur eines Aergers verschwinden dann musst Du uns ver-
trauen.— Nun ich habe Dir schweren Herzens Folgendes zu sagen:
Dieses Stück: „meine Antwort“ ist so, dass meine Frau und ich wenigstens von
einigen Wendungen absolut nicht glauben können, dass Du Sie eigenhändig nie-
dergeschrieben hast. Wir vergessen keinen Moment, dass man Dich wohl sicher auf
besonders gemeine Weise gereizt
hat[4]
und wir vergessen auch nicht, wie abnor-
mal die gesammte moralische Situation und Atmosphäre ist in der Du da lebst—
aber dennoch—in dieser Antwort stehen total Uneinsteinsche
Detailreactionen[5]
wir könnten Sie mit rothem Bleistift Stück für Stück unterstreichen. Wenn Du
sie wirklich eigenhändig niedergeschrieben hast so bedeutet es, dass diese ver-
fluchten Schweine es fertig gebracht haben Deine Seele, die uns so schrecklich viel
wert ist zu berühren.
Du musst mich recht verstehen: ich würde vielleicht 100 mal ärger mich versün-
digen—aber es handelt sich nicht um mich sondern um Dich—und Du bist so, dass
diese „meine Antwort“ nicht zu Dir passt sondern ein Echo hören lässt, der schmut-
zigen Angriffe auf Dich.

Was will ich mit meinem Brief?
1. Sagen was meine Frau und ich auf dem Herzen haben.
2. Verhindern helfen, dass dieser giftige Schmutz wirklich bis zu Dir selber
durchdringt.
3. Jedenfalls Dich innig, innig bitten, dass Du kein Wort mehr darüber der gefrä-
ßigen Bestie „Publikum“ zuwirfst.

Und nun sei mir—bitte—nicht böse. Was auch kommen möge vergiss nie, wie
treu wir alle hier an Dir hängen von Pawlik bis zu
Lorentz![6]
Dein
Ehrenfest.
Heute schrieb mir Onnes aus der Schweiz, dass auch Weiss herkommen wird wenn
Langevin hier
ist.[7]
Ich glaube wirklich, dass wenn wir alle miteinander eine
Woche lang !!!geordnet!!! erst über Paramagn. von Gasen, dann feste (nichtleiten-
de) Krystalle (Curie und Anti-Curie-Verhalten bei tiefen Temperaturen) flüssige
O2 und schließlich über Ferromagnetismus discutieren können dann muss etwas
dabei
herauskommen.[8]
Ich habe einen Brief von Joffe aus Petersburg bekom-
men[9]
—die haben prachtvolle physikalische Untersuch. gemacht—unter anderem
auch eine sehr witzige über den Einst–De
Haas-Effect.[10]
In ein paar Tagen hoffe
ich mehr darüber zu hören, dann erzähle ich Dir’s. Sie haben außer Instrumenten
nichts so sehr nöthig als Separata. Trotz wiederholter Bitten kann ich keine Sepa-
rata von Franck und von Hertz
bekommen[11]
—möchte gerne in zwei Exemplaren:
für mich und um den russ. Physikern zu senden.
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