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servatorstelle in Potsdam erhalte, mir aber noch lieber, wenn es ein Lehrauftrag an
der Universität sein
könnte.[4]
Ich will Ihnen sagen, warum. Trotz des grossen Ent-
gegenkommens, das man mir in Potsdam zeigt, dürfen wir uns nicht darüber täu-
schen, dass dasselbe wesentlich dadurch bedingt ist, dass das Institut nicht die Ver-
antwortung für meine Arbeiten
trägt.[5]
Ich glaube mich nicht zu irren, wenn ich
sage, dass alle Herren in Potsdam, auch der Direktor Müller, sich puncto der allg.
Relativitätstheorie den Rücken frei halten möchten und sich nicht mehr für deren
Prüfung einsetzen, als dass Sie mir unverbindlich die Möglichkeit freier Arbeit auf
ihrem Institut
gewähren.[6]
Das merkte ich kurz vor meiner Abreise: erst wieder im
Kleinen, wie eine kurze Notiz von Campbell am Lick-Observatory, er habe bei der
Sonnenfinsternis 1918 (oder 17) den Effekt der Lichtablenkung nicht nachweisen
können, aufgenommen wurde. Diese kurze Notiz, die, glaube ich, in der „Nature“
oder „Popular Astronomy“ stand, enthielt nicht mehr als diese Feststellung, da die
Sonnenfinsternis 1917 oder 18 meines Wissens nur eine ganz kurze Totalität hatte
und auch die Wetterverhältnisse während derselben, soviel ich hörte, nicht günstig
waren, so hat das Resultat von C. kein grosses Gewicht, zumal C. nicht der Mann
ist, so etwas zu
machen.[7]
Ich sah nur wieder, wie feige doch die meisten sind und
ich fürchte, Sie würden „Wenns und Abers“ hören, falls Sie die Frage, mich als Ob-
servatoren am Potsdamer Institut anzustellen, aufs Tapet bringen. Vielleicht täu-
sche ich mich, aber ich habe doch in dieser Hinsicht Enttäuschungen genug erlebt
und es wäre mir schmerzlich, wieder eine dieser Art zu erleben.
Falls ich einen Lehrauftrag bekommen könnte, würde man mich in Potsdam
wahrscheinlich ungestört so weiter arbeiten lassen und eine solche Stellung würde
mir auch insofern heilsam sein, als ich gezwungen wäre, manche Materie sorgfältig
für die Vorlesungen durchzudenken, wozu ich jetzt nicht komme. Wie denken Sie
darüber?
Ich bleibe bis Ende der Woche hier und fahre dann nach Ludwigshafen, um die
Vorarbeiten am Spektralofen zu
besichtigen[8]
und dann über Frankfurt a. Main, wo
ich Dr. Oppenheim besuchen
werde,[9]
heim. Briefe erreichen mich unter der
Addresse von Dr. Oppenheim.
Hoffentlich geht es Ihnen und Ihrem Magen
gut.[10]
Ich und meine
Frau[11]
grüssen Sie und Ihre Angehörigen vielmals. Ihr
E. Freundlich
ALS. [11 149].
[1]Arnold Berliner. Freundlich refers to the planned third edition of his popular book on relativity,
the second edition of which is Freundlich 1917.
[2]At the beginning of 1918 Freundlich’s annual salary was fixed at 6,000 marks (see Einstein to
Ernst Trendelenburg, 16 September 1918 [Vol. 8, Doc. 617], note 2). On Freundlich’s request for a
cost-of-living supplement, see Doc. 73.
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