3 8 V O L U M E 1 0 , D O C U M E N T 8 0 a
Vol. 10, 80a. From Mileva Einstein-Maric
[Zurich, before 23 July
1920][1]
Lieber Albert!
Ich habe auf deine letzte Karte nicht geantwortet, weil [ic]h durch einen Unfall
behindert war, der mir viel Schmerzen und viel schlechte Laune
verursachte.[2]
Was Dein Wiedersehen mit den Kindern betrifft so gefällt mir Dein zweiter Vor-
schlag weit besser als der erste. Die Kinder zu Dir nach Berlin zu schicken, ist für
mich einfach ein Ding der Unmöglichkeit, ganz besonders seit ich s. Z. Deine
Begleiterin[3]
in einer für mich und schliesslich auf für die Kinder so verletzenden
Weise über die früheren Jahre sprechen hörte. Du wirst mir ja das nicht übel neh-
men. Wenn Du Deine Erinnerungen durchstöberst, wirst Du sehen, dass ja Du mir
auch nicht gerade jeden Wunsch erfüllt hast. –– Damit die Kinder nach Deutsch-
land reisen können, ist es notwendig, dass die Behörde jenes Ortes, wohin man rei-
sen will, eine Einreisebewilligung gibt, die muss hier beim Konsulat vorgewiesen
w. Anfangs Oktober, etwa am 5. glaube ich, haben die Kinder Ferien. wäre es nicht
möglich, den Besuch auf dann zu
verlegen?[4]
Es wäre schon gut, denn im Gymn.
geben sie nicht gerne Ferien.
Ich habe nur ein Bedenken.
Tete[5]
hat soeben eine Grippe gehabt und ist recht
empfindlich. sollte sich die Geschichte, wie in vorigen Jahren, wiederholen so wür-
de ich mich sehr ungern durch eine Landesgrenze vom Kinde trennen. Damit aber
der Besuch nicht in’s Wasser fällt, dachte ich mir die Sache so: Ich möchte gerne
mit den Kindern über die Grenze reisen und mich diese Tage etwa in Konstanz oder
einem andern Grenzort aufhalten. Geht alles gut, so kommen die Kinder, nachdem
sie Dich verlassen, zu mir und wir reisen nach Hause [S]ollte sich der Tete aber
nicht wohl fühlen, bei der doch wahrscheinlich recht veränderten Lebensweise,
könnte ihn
Albert[6]
sofort zu mir bringen, wo er für solche Fälle am besten, aufge-
hoben ist. Bitte sei damit einverstanden, sonst ängstige ich mich zu sehr. Du hättest
also für diese Einreisebewilligungen zu sorgen, für die Kinder nach Benzingen, für
mich nach Konstanz Überlingen oder sonst wohin.
Die 1000 Fr. habe ich
erhalten.[7]
Ich möchte Dich zugleich bitten, uns wenn es
irgendwie geht vor dem 1. Aug. etwas Geld zu schicken; ich bin jetzt so schrecklich
knapp, und sollte doch notwendig schon einige Anschaffungen für den Winter ma-
chen; (einen Teil Kohlen und anderes,) dass ich nicht weiss wie ich es machen soll;
also we[nn] es irgendwie möglich ist.
Die Kinder schreiben diese Tage. Einen freundl. Gruss
Miza.
ALS. [144 428]. There are perforations for a loose-leaf binder at the left margin of the document.
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