3. “The International Character of Science”
[Berlin, before or on 1 January
1922][1]
Prof. Dr. A. Einstein
[2]
Beitrag zum Handbuch von Graf Kessler u. Ströbel. Januar 1922[3]
[Die Internationale der Wissenschaft][4]
Als während des Krieges die nationale und politische Verblendung ihren Höhe-
punkt erreicht hatte, sprach Emil Fischer in einer Akademie-Sitzung mit Nach-
druck den Satz: „Sie können nichts machen, meine Herren, die Wissenschaft ist
und bleibt
international.“[5]
Das haben die Grossen unter den Forschern stets ge-
wusst und leidenschaftlich gefühlt, wenn sie auch in Zeiten politischer Verwicklun-
gen unter ihren Genossen kleineren Formates isoliert blieben. Diese Menge der
Stimmberechtigten hat während dieses Krieges in allen Lagern das ihr anvertraute
heilige Gut vertreten. Die internationale Assoziation der Akademien wurde ge-
sprengt.[6]
Kongresse wurden und werden noch veranstaltet unter Ausschluss der
Fachgenossen aus ehemals feindlichen
Ländern.[7]
Mit wichtiger Miene vorge-
brachte politische Erwägungen verhindern die für das Gedeihen der grossen Ziele
notwendige Alleinherrschaft rein sachlicher Gesichtspunkte.
Was können die Wohlgesinnten den emotionellen Anfechtungen des Augen-
blicks nicht unterworfenen tun, um das Verlorene wieder zu gewinnen? Wirklich
internationale Kongresse grossen Stils können bei der noch vorhandenen Erregung
der Mehrzahl der geistigen Arbeiter noch nicht veranstaltet werden, auch sind die
psychologischen Widerstände gegen die Wiederaufrichtung der internationalen
wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaften noch zu mächtig, um von der Minder-
zahl derjenigen überwunden werden zu können, die von grösseren Gesichtspunk-
ten und Gefühlen erfüllt sind. Diese können dem grossen Ziel der Gesundung der
internationalen Gesellschaften dadurch dienen, dass sie mit Gleichgesinnten aus al-
len Ländern enge Beziehungen unterhalten und in ihrem eigenen Wirkungskreise
beharrlich für die internationalen Interessen eintreten. Der Erfolg im Grossen wird
auf sich warten lassen, aber er wird sicher kommen. Ich will diese Gelegenheit
nicht vorbeigehen lassen, ohne rühmend hervor zu heben, dass insbesondere bei ei-
ner grossen Zahl englischer Fachgenossen das Streben nach Erhaltung der geisti-
gen Gemeinschaft während dieser ganzen schweren Jahre lebendig geblieben
ist.[8]
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