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4. From Max Born and James Franck[1]
Göttingen, 1 Jan. 1922
Lieber Einstein,
Wir, Franck u. Born, sind von dem Inhalt Deines Briefes auf’s äußerste erschüt-
tert, obgleich wir in unserer Dummheit die Anordnung des Kanalstrahlen-Versuchs
uns nicht rekonstruieren
können.[2]
Wir haben 1000 Fragen auf dem Herzen und al-
lerhand Überlegungen, für die wir Dich als Beruhigungsmittel brauchen. Da dieser
Brief nicht 50 Seiten lang werden kann, und wir auch die Befürchtung haben, daß
wir keine Antwort von 100 Seiten erwarten dürfen, sind wir auf den glänzenden
Einfall gekommen, Dich offiziell einladen zu lassen, uns in Göttingen auf Kosten
der Wolfskehl-Stiftung zu besuchen und einen Vortrag in zwangloser Weise zu hal-
ten. Wir haben dabei die Nebenabsicht Dich zu Hilberts 60. Geburtstag hier zu ha-
ben, ein Gedanke, der den alten Herrn in Entzücken versetzt
hat.[3]
Der Geburtstag
ist am 23. Januar; der Vortrag könnte am Dienstag den 24. sein, während Sonntag
d. 22. Du zum mindestens uns widmen müsstest. Vielleicht hat Deine Frau Lust
mitzukommen. Es wäre wunderschön, wenn Du das möglich machen könn[tes]t,
und wir freuen uns so sehr auf diese Aussicht, daß Du auf keinen Fall absagen
darfst. Herzliche Grüße und Wünsche für das neue Jahr.
Born und Franck
ALS. [8 165].
[1]At the University of Göttingen, Max Born (1882–1970) was Professor of Theoretical Physics
and James Franck (1882–1964) was Professor of Experimental Physics and director of the Second
Institute of Experimental Physics.
[2]In his letter of 30 December 1921 (Vol 12, Doc. 345), Einstein informed Max and Hedwig Born
that his canal ray experiment on light emission, conducted in collaboration with Hans Geiger and
Walther Bothe, had “proved” that the wave field has “no real existence” and that light emission occurs
instantaneously. For discussion of the canal ray experiment, see Vol. 12, Introduction, sec. VI.
[3]David Hilbert (1862–1943) was Professor of Mathematics at the University of Göttingen.
5. From Hermann Weyl[1]
Arosa, Villa Anita, d. 3. Jan. 22.
Lieber Herr Kollege!
Herzlichen Dank für Ihre Bemühung um die Druckerlaubnis; gut, daß sie sich
als überflüssig herausstellte, da nun inzwischen der Druck schon vollendet
war![2]
Von dem Kanalstrahlen-Experiment weiß ich nichts Näheres; ist das eine
experimentelle Antwort auf die Frage, ob das, was bei einem Bohrschen Atom-
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