D O C U M E N T S 1 9 , 2 0 J A N U A R Y 1 9 2 2 8 5
19. From Richard Courant[1]
Göttingen, Nikolausbergerweg 5, den 15. 1. 22.
Sehr verehrter Herr Einstein!
Hilberts und wir alle freuen uns ganz ausserordentlich über Ihre Absicht,
zum 23. hierher zu
kommen;[2]
wie das nun mal so ist, man greift immer gern
gleich nach der ganzen Hand, wenn man den Finger gereicht bekommt. In diesem
Sinne möchte ich, nachdem die Zulässigkeit einer solchen Anfrage von Born und
Franck begutachtet worden
ist,[3]
anfragen, ob Sie etwa an Hilberts Geburtstag mit
Born als Klavierspieler, einem sehr netten kleinen Cellisten und meiner Frau zu-
sammen bei Hilberts am Nachmittage etwas spielen würden; sehr geeignet für Hil-
bert wäre das Es-Dur Klavierquartett von Beethoven, bezw. der erste Satz davon,
ursprünglich Bläser oktett op. 16., das leicht fasslich, sehr melodiös und auch nicht
schwer zu spielen ist. Für Sie würde es ganz frei stehen, ob Sie Geige oder Bratsche
spielen wollen; Instrumente von hinreichender Güte sind ebenfalls da. Ich glaube,
dass es Hilbert ganz besonders freuen würde, wenn Sie bei diesem kleinen Ständ-
chen mitwirken wollten; zuhören würden nur die wenigen Mittagsgäste, die einge-
laden sind; doch könnte auf Ihren Wunsch auch alles anders mit der Zeit und dem
Stück eingerichtet werden. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir auf einer
Postkarte kurz eine Nachricht geben wollten, ob Sie ja sagen oder nein; das weitere
könnten wir dann hier mit Born verabreden, sodass Sie nur ganz wenig behelligt
werden müssen mit Proben usw.
Uebrigens hat uns Edwin Fischer auf die Idee gebracht, Ihre Mitwirkung zu er-
bitten; er war neulich hier und erzählte uns von seinem Musizieren mit
Ihnen.[4]
Mit den herzlichsten Grüssen Ihr sehr ergebener
R. Courant
TLS. [43 490].
[1]Courant (1888–1972) was Professor of Mathematics at the University of Göttingen.
[2]For Einstein’s plans to attend Hilbert’s birthday in Göttingen, see Doc. 6.
[3]See Doc. 4.
[4]Fischer (1886–1960) was a Swiss pianist, living in Berlin, who had taught at the Sternsche Kon-
servatorium in Berlin until 1914, after which he devoted himself to being a concert soloist.
20. From Michael Polányi[1]
Berlin 15/1 1922
Sehr geehrter Herr Professor!
ich habe nochmals nachgerechnet und habe einen Irrtum entdeckt, der durch ei-
nen Druckfehler in der Füchtbauerschen Arbeit verursacht worden
war.[2]
Es steht
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