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54. From Paul Ehrenfest
[Leyden,] 16 II 1922
Lieber Einstein!
Besten Dank für Deine Karte und
Druckbogen.[1]
Sobald ich den letzteren in
Ruhe gelesen haben werde schreibe ich Dir wahrscheinlich darüber schreiben—es
scheint mir sehr hübsch zu sein.
Sehr beunruhigt hat mich folgender Passus in Deiner Karte „Es wäre mir lieb,
wenn wir den Verschiebungs-Kongress bis Ende September verschieben könnten.
Ich war doch erst so lang bei Euch“.— Ich beginne von hinten:
a.) Wenn wir im Januar darüber correspondieren was Du Ende April thun sollst
so ist es ein arger Rechenfehler die (einigermaßen) richtige Schätzung
(A) Januar minus September = „kürzlich“ mit der unrichtigen Schätzung
(B) Ende April minus Septembe = „kürzlich“ zu verwechseln.
b.) Gegen eine Verschiebung des „Kongresses“ besteht natürlich absolut kein
Bedenken ist mir sogar angenehm, weil ich dann alles ruhiger vorbereiten kann.
Nur hatte ich mittlerweile veranlasst durch Deine vorletzten Brief darüber Lorentz
nach Pasadena geschrieben ob nicht vielleicht einer der „Rothverschiebungs-Ame-
rikaner“ circa Ostern in Europa anwesend ist. Sollte Lorentz schreiben: ja; dann
kannst Du doch wirklich auf eine kurze Zeit dafür nach Leiden kommen. Aber ver-
muthlich wird Lorentz’s Antwort negatiev sein und dann kann die Sache bestens
bis September
warten.[2]
c. Sehr fatal für mich aber wäre es wenn Du in diesem Frühjahr nicht nach
Leiden kämst.— Du weißt: niemand verlangt von Dir, dass Du Vorlesungen hältst
auch das Abhalten von „Kongresserln“ is nicht obligat. Alles das kann einmal so
ein anderesmal so geschehen oder unterbleiben. In eine wirkliche Schwierigkeit
aber gelange ich, wenn Du einfach nicht kommst. Denn ich habe jährlich einen
Rechenschaftsbericht zu schreiben der als wesentlichsten Kern das Factum Deiner
(zweimalig-jährlichen) Anwesenheit in Leiden enthält.— Deine Anwesenheit
hier, auch wenn Du ,gar nichts thust’“ bedeutet für uns alle (besonders auch für
Onnes und mich und unsere älteren Studenten) enorm viel. Mehr als Du
überblicken kannst, weil Deine Anwesenheit hier jedesmal eine lange
nachklingende Reihe von Discussionen auslöst [z. B. kommst Du in April, dann
erzähle ich Dir was ich bei Bohr gelernt
habe[3]
Du reagierst darauf—das gibt
wieder eine große Menge Anregung für uns alle—und das ist nur eines von 5–6
Gegenständen die auf Dich
warten][4]
Kommst Du also (zweimal per Jahr) so kann ich bona fide und freudig darüber
in meinem Rechenschaftsbericht erzählen, was das alles gegeben hat. Und niemand
fragt dann noch stumpfsinnig nach „was hat er gethan“— Kommst Du aber nicht
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