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130. From Paul Block[1]
Paris VIII 3. Rue de Ponthieu, 4. 4. 1922.
Verehrter Herr Professor!
Die Liebenswürdigkeit der Herrn Administrator der Collège de France hat es
mir ermöglicht, Ihrer ersten Konferenz am 31 März zu
lauschen.[2]
Da der Bericht,
den ich am gleichen Abend nach Berlin telephonierte und der am 1. April in der
Morgenausgabe des „Berliner Tageblatt“ erschien, der einzige ist, der in Deutsch-
land bekannt wurde, haben Sie vielleicht ein Interesse daran, ihn zu
lesen.[3]
Die
Irrtümer bitte ich zu entschuldigen; Hörfehler sind bei doppelter telephonischer
Übermittelung—Paris-Frankfurt, Frankfurt-Berlin—nicht immer zu vermeiden.
Ich nehme an, dass Ihnen mein erstes Schreiben durch Herrn Professor Langevin
übergeben wurde und dass Sie nicht die Zeit gefunden haben, mir zu antworten.
Gestatten Sie mir, Ihnen nunmehr brieflich mitzuteilen, was ich Ihnen gern persön-
lich gesagt hätte.
Es gibt hier in Paris zur Zeit etwa 200 Deutsche—Beamte und Mitarbeiter der
Kriegslasten-Kommission[4]
und der Botschaft—die alle ausser ihren Berufspflich-
ten die oft recht schwierige Aufgabe haben, den Franzosen, mit denen sie zusam-
men kommen, eine bessere Meinung von Deutschland beizubringen. Alle diese
Landsleute haben sich über die Ehrung, die Ihnen, geschätzter Herr Professor, zu-
teil geworden ist, von Herzen gefreut. Sie wären glücklich, wenn Albert Einstein
bei seinem Aufenthalt in Paris auch den Deutschen in der Fremde eine halbe Stun-
de widmete, um ihnen etwas von seiner Lehre zu sagen. Da man die allzu schmei-
chelhafte Vorstellung hatte, dass es mir als dem ältesten der in Paris tätigen
deutschen Journalisten beschieden sein würde, Sie zu sehen, gab man mir den Auf-
trag, mit Ihnen über die Möglichkeit einer solchen ganz unfeierlichen Veranstal-
tung zu sprechen. Wären Sie geneigt gewesen, so hätte der deutsche Botschafter,
dessen Brief Ihnen an der Bahn wohl übergeben worden
ist,[1]
ohne Zweifel auf
meine Bitte einen der Säle der Botschaft für diesen Zweck zur Verfügung gestellt.
Dies, verehrter Herr Professor, wollte ich Ihnen sagen. Vor journalistischen Be-
drängungen wären Sie bei mir geschützt gewesen, da ich keine Reportage mache
und da ich im Übrigen die taktvolle Zurückhaltung, in der Sie jede politische Äus-
serung vermeiden, aufs höchste bewundere.
Mit ausgezeichneter Hochachtung verehrungsvoll
Paul Block.
Korrespondent des „Berliner Tageblatt“
ALS. [43 288].
[1]Block (1862–1934).
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