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auch durch ausserpolitische Gründe motiviert werden könnte. Dies wäre dann der
Fall, wenn irgendwelche Garantien dafür gegeben werden könnten, dass eine Ver-
tretung jener Körperschaft bei der einschlägigen Abteilung des Völkerbundes offi-
ziell mitarbeiten könnte. Ich bitte Sie deshalb, mit geeigneten Persönlichkeiten
darüber zu sprechen, (z. B. vielleicht mit Herrn
Barclay)[3]
und mir über das Resul-
tat dieser Besprechungen in einer Ihnen geeignet erscheinenden Form Mitteilung
zukommen lassen zu wollen.
Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen nochmals zu versichern, dass ich sehr froh dar-
über bin, Sie und die übrigen Pariser Fachkollegen näher kennen gelernt zu haben
und eine so freundliche Aufnahme bei Ihnen gefunden zu haben.
Mit freundlichen Grüssen bin ich Ihr ganz ergebener
TLC. [34 765]. The letter is addressed “M. le professeur Dr. Emile Borel Paris.”
[1]See Borel 1922a and 1922b. In Borel 1922c, Borel also responded in print to a discussion on
cosmology raised during Einstein’s visit to the Collège de France earlier in the month. This article
addressed the problem of the stability of an infinite universe homogeneously filled with matter. Borel
presented a particular arithmetical model that would permit a hierarchical version of such a universe.
The historical context is discussed in Norton 1999. See also Einstein 1922q (Doc. 370) for Einstein’s
views on the topic.
[2]In the wake of the revolutionary events of November 1918, various associations of “intellectual
workers” (“geistige Arbeiter”) were formed at a local level. The most prominent of these was the “Rat
der geistigen Arbeiter” in Berlin. Invariably, these associations were of a fleeting nature. A second
wave of such efforts began in 1920, motivated mainly by the dire economic straits in which academics
found themselves. Konrad Haenisch advocated the formation of a general association for intellectual
workers, and 1920 saw the establishment of the Freie Gewerkschaft geistiger Arbeiter (see Schreiber
1923, pp. 127–132, and Walter 1990, p. 89).
[3]Thomas Barclay.
170. To Hans Delbrück[1]
Berlin, den 28. IV. 22.
Verehrter Herr Kollege!
Heute abend muss ich für einige Wochen
verreisen,[2]
möchte dies aber nicht
tun, ohne Ihnen vorher über ein Gespräch kurz zu berichten, das ich in Paris mit
Herrn Prof. Aulard zu führen Gelegenheit
hatte.[3]
Aulard machte auf mich den
Eindruck eines Mannes, dem es ehrlich um die Wahrheit und um die Besserung der
französich-deutschen Beziehungen zu tun ist. Er steht aber wie alle anderen stark,
wenn auch unbewusst, unter dem Einfluss der dort herrschenden Auffassung be-
züglich der Wertung der politischen Ereignisse. Er schien Ihnen gegenüber das
Vorurteil zu hegen, dass Sie ihm nicht als Individuum sondern als Sprecher einer
politischen Clique gegenüber gestanden wären, liess sich von mir aber gerne von
der Unrichtigkeit dieser vorgefassten Meinung überzeugen. In dieser Sache wie
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