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fachheit und Exactheit leicht einführen. Und auch der gesammte Clavierapparat
wird sich nach meiner Ueberzeugung, wenn er erst einige Male oeffentlich so vor-
geführt wird, wie ihn Arthur Schnabel einmal bei mir gespielt
hat,[3]
sehr schnell
für das Musikleben zu einer Notwendigkeit herausbilden. Das menschliche Ohr ge-
wöhnt sich schnell. Der neue Ton fügt dem kalten Clavierton die Fülle und Laut-
stärke eines orgelähnlichen, aber metallischen Orchesterklanges hinzu, wie ihn
sich schon Franz v. Liszt gewünscht
hat.[4]
In vorzüglicher Hochachtung zeichnet Ihr ergebener
Dr. Richard Eisenmann
ALS. [43 602]. There are perforations for a loose-leaf binder at the left margin of the document.
[1]For details, see Eisenmann’s British (24,260 A.D. 1912) and Austrian (68245) patents granted
on 23 January and 1 July 1914, respectively.
[2]A patent on the control of a motor was granted to Eisenmann on 17 August 1920 by the United
States Patent Office (1,350,214).
[3]Schnabel (1882–1951) was an eminent pianist, composer, and pedagogue.
[4]Franz Liszt (1811–1886) was a Hungarian pianist and composer. His cousin, Franz von Liszt
(1851–1919), was Professor of Law at the University of Berlin.
298. From Hermann Anschütz-Kaempfe
Kiel, 19. Juli 22.
Lieber verehrter Professor Einstein!
Ich finde Ihren Vorschlag eines kleinen Retiro in der Nähe der Fabrik, womög-
lich in der romantischen Ecke des Gartens, sehr
einleuchtend;[1]
je mehr ich
darüber nachdenke, desto besser gefällt er mir; wir haben in Hamburg in dem Vil-
len-Viertel, wo meiner Frau Eltern
wohnen,[2]
ein ganz reizendes kleines Häuschen
gesehen; es hat den Spitznamen Diogenes-Tonne, [u]nd ist voll von Blumenkästen
u. hat ein weit heruntergezogenes Dach, das ganz heimelig wirkt.
Freilich wäre es lieb von Ihnen, wenn Sie noch ein wenig vor unserer Abreise
hieher kämen, es giebt noch so viele Dinge, die ich Ihnen im Laboratorium zeigen
möchte. Und wenn Sie halt Ihre Buben mitbrächten, würden Sie meiner Frau auch
eine rechte Freude machen. Bis zum 8. August ist im Hause selbst nichts zu tun u.
die Strapazen des Umzuges laden wir auf die Packer
ab;[3]
jedenfalls protestiert
meine Frau lebhaft, daß sie sich schon vorher ausruhen muß. Und für Ihre Buben
sind die Johannisbeeren und die Stachelbeeren gerade reif und schönes Wetter zum
Segeln wird es wohl endlich auch geben.
Und die besoffene
Lisa[4]
wird dann während Ihres Aufenthaltes hier ordentlich
in Stand gesetzt werden können und wartet dann immer noch, wenn Sie in die Lau-
be zurückkehren.
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