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scheint, wage ich die Bitte an Sie zu richten, den Vorschlag Ihrerseits zu überlegen
und im Falle der Billigung Ihre grosse Autorität für denselben einzusetzen. Dass
der Plan im Falle einer Einigung der französischen und englischen Staatsmänner
zur Verwirklichung gelangen würde, kann bei der heutigen Situation wohl kaum
bezweifelt werden, und es wäre doch zu traurig[,] wenn energische Schritte zur Sa-
nierung so lange hinausgeschoben würden bis seine Wirksamkeit durch dauernde
erhebliche Schädigung der deutschen Produktionskräfte ernsthaft in Frage gestellt
wird.Indem ich Sie bitte, dafür zu sorgen, dass mein Name im Zusammenhang mit
dieser Angelenheit in der Oeffentlichkeit nicht genannt werde, bin ich mit herzli-
chen Grüssen an Sie und Miss
Haldane[3]
Ihr ganz ergebener
A. Einstein.
P. S. Wenn Sie es wünschen, verschaffe ich Ihnen die übrigen Publikationen des
Herrn Rechberg über diese
Angelegenheit.[4]
Selbstverständlich bedarf es keiner
Beantwortung dieses Briefes, doch stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung, falls Sie
es für nützlich halten, sich meiner irgendwie als Mittelsperson zu bedienen.
TLS (UkE, Haldane of Cloan Papers, MS5915). [87 605].
[1]In his article, Arnold Rechberg (1879–1947), an industrialist and journalist, argued that an eco-
nomically weak Germany cannot fulfill the reparation payments as laid down in the Versailles peace
treaty. He therefore proposed a union of the German and French industries into a close community of
interests. To achieve this goal, the German reparation payments to Germany’s two main creditors,
France and Great Britain, should be converted into participation in German industry by the industries
of France and Great Britain. Germany should transfer 30 percent of the share capital invested in the
German large-scale industry to the French and British governments. They would then forward those
shares to their respective big industries (see Berliner Tageblatt, 30 August 1922, Morning Edition).
[2]Raymond Poincaré. Rechberg stated in his article that Poincaré had made similar proposals at
the reparation negotiations in London, yet he had advocated that the shares be handed over to the rep-
arations commission. This would entail that half of the shares would be ascribed to France.
[3]Elizabeth Sanderson Haldane.
[4]See Rechberg 1919 and 1922.
335. To Paul Painlevé
Berlin, den 30. VIII. 22.
Lieber Herr Painlevé!
Ich sende Ihnen hier einen Artikel von Herrn
Rechberg,[1]
der ja nichts Neues
enthält, der aber den einzigen, nach meiner Meinung wirklich gangbaren Weg
kennzeichnet. Wären Sie nicht geneigt, Ihren ganzen Einfluss in diesem Sinne aus-
zuüben? Ich schreibe auch an Lord Haldane im gleichen
Sinn.[2]
Wenn es gelinge,
dass Frankreich und England sich auf dieses Programm einigten und in diesem Sin-
ne energische Schritte unternehmen, so könnten in kurzer Zeit nicht nur die aktu-
ellen Schwierigkeiten behoben, sondern auch erträgliche Bedingungen für die
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