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34. To Maurice Solovine[1]
[Berlin,] Pfingsten. [20 May] 1923.
Lieber Solovine!
In Japan war es wundervoll. Feine Lebensform, lebendiges Interesse für alles,
Kunstsinn, intellektuelle Naivität bei gutem Verstand—ein feines Volk in einem
malerischen Land. Die Stammesbrüder in Palästina haben mir sehr gefallen, als
Bauern, als Arbeiter und als Bürger. Das Land ist im Ganzen wenig fruchtbar. Es
wird ein moralisches Zentrum werden, aber keinen grossen Teil des jüdischen Vol-
kes aufnehmen können. Anderer seits bin ich aber überzeugt, dass die Kolonisation
gelingen
wird.[2]
Ich freue mich, dass Ihre Reise so wohlgelungen ist. Hoffentlich
gibt sichs, dass wir einmal gemütlich darüber plaudern
können.[3]
Schicken Sie die
Sache von G[authier] V[illars] Herrn Kuno
Kocherthaler,[4]
Calle Lealtad, Madrid
und nehmen Sie sich ein Zehntel davon zum
Gruss.[5]
Ich habe Nordmanns Adresse
nicht,[6]
sende Ihnen also die Korrektur zurück. Die daran geübte Kritik ist leider
sehr berechtigt. Er soll es
verbessern.[7]
Grüssen Sie ihn freundlich. Ich bin aus ei-
ner Völkerbundskommission ausgetreten, weil ich zu dieser Institution kein Ver-
trauen mehr
habe.[8]
Das hat mir ziemliches Odium eingetragen, aber ich bin doch
froh, es gethan zu haben. Man muss sich von verlogenen Unternehmungen fernhal-
ten, auch wenn sie einen schönen Namen haben. Bergson hat in seinem Buch über
Rel. Theorie schwere Böcke geschossen; Gott wirds ihm
verzeihen.[9]
Herzliche Grüsse von Ihrem
A. Einstein.
ALS (TAU, Albert Einstein Collection). [80 845]. Solovine 1956, pp. 44–45, and Nathan and Norden
2004, p. 76. The envelope is addressed “Monsieur Solovine 39
Bd
du Port Royal [---].”
[1]Solovine (1875–1958) was an old friend of Einstein’s. For his biography, see, e.g., Vol. 1,
pp. 641–642.
[2]Solovine had asked about Einstein’s trip to Japan and Palestine (see Abs. 57). For Einstein’s
impressions of his trip, see “Travel Diary Japan, Palestine, Spain” (Vol. 13, Doc. 379).
[3]For a description of his trip to the United States, see Abs. 57.
[4]Kocherthaler (1881–1944) was Einstein’s distant cousin, a Madrid art collector and co-founder
of the General Spanish Mining Company. Einstein had used Kocherthaler’s services before by asking
Paul Ehrenfest to forward him his royalties from outside of Germany (see Einstein to Paul Ehrenfest,
between 19 and 22 January 1922 [Vol. 13, Doc. 31]).
[5]Einstein had received a royalty payment from Gauthier Villars (see Abs. 57).
[6]Charles Nordmann (1881–1940) was astronomer at the Observatory of Paris. For his request, see
Abs. 57.
[7]Nordmann 1921.
[8]The International Committee on Intellectual Cooperation (see Doc. 19).
[9]Henri Bergson (1859–1941). Einstein had perused Bergson 1922 on his voyage to the Far East.
See “Travel Diary Japan, Palestine, Spain” (Vol. 13, Doc. 379), entry for 9 October 1922.
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