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76. To Elsa Einstein
[Kiel,] Sonntag 8. VII. [1923]
Liebe Else!
Heut Abend gehts auf die Rutsch nach Götheborg. Der Vortrag ist
fertig.[1]
Hier
wars noch wunderschön, zum Teil weil wir nun ein Segelschiff haben, auf dem ich
mit den Herrn Anschütz und
Richter[2]
täglich auf der Kieler Bucht herumgesegelt
bin. Morgen Vormittag bin ich mit
Bohr[3]
zusammen. Dann gehts weiter am Nach-
mittag nach Goetheborg. Ich freu mich sehr, bis dies Abenteuer vorbei ist. Ich reise
nach Berlin zurück, sobald als möglich. Von
Ilse[4]
hatte ich einen sehr lieben Brief,
der mich freute
Sei mit den Kindern und den Eltern bestens gegrüsst von Deinem
Albert.
AKS. [143 133]. The postcard is addressed “Frau Elsa Einstein Haberlandstr. 5 Berlin” and post-
marked “Kiel 1 10.7.23 8–9 N[achmittags].”
[1]His planned Nobel Prize lecture.
[2]Hermann Anschütz-Kaempfe. Oskar Richter.
[3]Niels Bohr.
[4]Ilse Einstein.
77. To Eduard Einstein
Berlin, 15. VII. 23
Lieber Tete!
Heute kam ich von Götheborg heim und freute mich sehr über Deinen lieben
Brief.[1]
Du kannst Dir denken, wie arg mir die Sache mit Albert ist; aber so darf
kein Vater mit sich umgehen lassen, wie es Alberts letztem Brief an
mich[2]
ent-
spricht Es spricht aus diesem Brief Misstrauen, Mangel an Achtung und eine rohe
Gesinnung mir gegenüber. Das habe ich wirklich nicht verdient und kann es mir
nicht gefallen lassen, so sehr ich darunter leide, wenn zwischen mir und Albert eine
Entfremdung eintritt.
Mit Lautrach steht es so. Ich ginge viel lieber nach Kiel mit Dir als nach Lau-
trach. Dies thue ich nur Herrn
Anschütz[3]
zuliebe, dessen Professoren- Erholungs-
heim dies Jahr eröffnet wird. Du brauchst aber gar nicht allein dorthin zu reisen.
Sondern
Mama[4]
setzt Dich in den Zug hierher. Ich hole Dich hier ab und fahre
dann mit Dir nach Lautrach. In Kiel ist immer ein vortrefflich kochendes Dienst-
mädchen für mich da und wir hätten es wie die Götter. Aber das geht jetzt im Au-
gust nicht, weil ich versprach, mit Dir nach Lautrach zu kommen. Wir könnten aber
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