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107. To Heinrich Zangger
[Berlin,] 29. VIII. 23.
Lieber Freund Zangger!
Ich gehe nun doch nicht nach
Bonn,[1]
weil es gar nicht in mein Programm hin-
einpasst. Mit Albert verstehe ich mich wieder
vortrefflich.[2]
Wir verbringen die er-
sten drei Wochen September zusammen in Kiel. Dann hat er
Examen.[3]
Tete sieht
gut aus; wir waren alle drei bei Anschütz in
Lautrach.[4]
Ende September muss ich
nach Leiden. Dann von Mitte Oktober an bin ich wieder in Berlin.
Es grüsst Sie herzlich Ihr
A. Einstein.
AKS (SzZuZB, Nachlass H. Zangger, box 1c). Schulmann 2012, p. 400. [80 812]. The postcard is
addressed “Herrn Prof. Dr. H. Zangger Bergstr. 25 Zürich (Schweiz)” and postmarked “Berlin-
Schöneberg 30.8.23 6–7 N[achmittags].”
[1]To participate in the annual meeting of the Deutsche Physikalische Gesellschaft (see Doc. 74).
[2]On his conflict with Hans Albert, see Doc. 59.
[3]Hans Albert was studying engineering at the Eidgenössische Technische Hochschule.
[4]Eduard Einstein. Hermann Anschütz-Kaempfe.
108. To Elsa Einstein
[Kiel,] Sonntag [2 September
1923][1]
Liebe Else!
Die Reise ging gut von Statten. In Wittenberge traf ich Albert programm-
gemäss.[2]
Um 4 Uhr kamen wir an und fuhren mit dem Tram hierher. Dann gingen
wir sogleich segeln. Heut Morgen segelten wir mit Herrn
Richter[3]
und wurden
riesig eingeregnet. Hätte ich doch die weisse Hose mitgenommen! Nun sitze ich im
Mantel und Unterhosen, weil das Übrige trocknen muss. Albert ist ein tüchtiger
Segler, gescheidt und gutherzig. Wenn
Mileva[4]
nicht wäre, wäre die traditionelle
Feindschaft schnell zu überwinden. Hier gefällt es mir ausgezeichnet, nur ist der
Haushalt etwas zu luxuriös geführt. Albert isst auch fast kein Fleisch wie ich, aber
grosse Mengen Gemüse. Du hast eine ganz falsche Vorstellung von ihm. Er ist be-
scheiden, mässig, abgehärtet und arbeitsam, kurz eine Art Bauernbub, aber geistig
geschult dabei. Am besten gefällt mir die einfache Art, die sich nie zur Geltung
bringen will, immer brauchbar und zuverlässig. Gestern haben wir auch noch mu-
siziert. Wenn Ihr wüsstet, wie harmlos das alles ist, würdet Ihr Euch nicht so auf-
regen über Kiel und was drum und dran hängt.
Seid alle drei herzlich
gegrüsst[5]
samt dem japanischen Ritter von Euerm
Albert.
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