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165. To Elsa and Ilse Einstein
[Leyden,] 3. XII. 23
Liebe Else!
Es scheint ein Brief von Dir verloren gegangen zu sein, nämlich derjenige, von
dem Du auf die Zeitungen geschrieben hast, er sei ganz nass geworden. Heute ist
Ehrenfest nach Kalifornien abgereist, von wo er erst Ende April zurückkommen
wird.[1]
Vorher wurde noch ausgemacht, dass Tanicka sich mit V. Ardenne verloben
darf, den sie scheints haben
will.[2]
Ich muss noch etwas hier bleiben, weil am 13
die Medaillen-Überreichung in Amsterdam stattfinden
wird.[3]
Aber Weihnachten
denke ich wieder zuhause zu sein. Ich bin gerade dabei, eine wichtige Abhandlung
für die Akademie zu schreiben, ein gutes Pflästerchen auf meine lange Abwesen-
heit.[4]
Planck hat sehr lieb an Ehrenfest und mich
geschrieben.[5]
Dem Chapiro
habe ich keine Empfehlung gegeben. Er hat in seinem Brief an mich derart ge-
schmacklos renommiert, dass ichs nicht über mich bringen kann, den Maulhelden
an Warburg zu
empfehlen.[6]
Diese Woche lese ich anstelle von Ehrenfest, damit
die Studenten auch was von mir haben. Ich bin froh, dass ich dies nicht jahraus jah-
rein muss. Es ist nicht unmöglich, dass ich mit einer hiesigen großen Glühlam-
penfabrik[7]
in eine ähnliche Verbindung trete wie mit Herrn
A.[8]
Man muss vor-
arbeiten, dass beim etwaigen Versagen der Berliner Stelle kein Vakuum eintritt. Im
Falle politischer Schwierigkeiten in Deutschl. kann ich in Amsterdam eine ähnli-
che Stelle kriegen wie ich jetzt in Berlin habe. Es ist also für alle Fälle solid vorge-
sorgt und nichts zu befürchten. Jedenfalls brauche ich nicht ins „eigentliche“ Aus-
land zu gehen. Hier ist ein sehr ruhiges, beschauliches Leben, so recht geeignet
zum Denken und Arbeiten. So was kannst Du Dir eigentlich gar nicht vorstellen.
Vor ich zu Euch zurückkomme, gehe ich noch mit De Ridder, in dessen Arbeits-
zimmer ich mich die meiste Zeit aufhalte, auf das Landhaus seiner Eltern nach Ede
auf ein paar Tage, wo ich schon einmal Besuch gemacht
habe.[9]
Liebe Ilse! Wenn die 1000
Goldmark[10]
eingezahlt worden sind, so sende in
meinem Namen 227 davon an Herrn Direktor Herzog vom K. W. Institut für Faser-
stoff
Chemie,[11]
150 Goldmark an Herrn Dr. Mark, wovon ich Dich bitte, Herrn
Prof. Herzog Mitteilung zu machen, 50 an Herrn Dr. Grommer, wenn Du ihn noch
erwischen kannst. Er wohnte Wullenweberstr. 3 bei Pillau. Sag ihm, dass ich ihm
für seinen Brief danken lasse und dass ich in dem Problem entscheidende Fort-
schritte gemacht
habe.[12]
Hoffentlich geht bei Euch alles gut, auch Deine soziale
Arbeit.[13]
Schreibt ein-
mal wieder und seid alle herzlich gegrüsst von Euerm
Albert.
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