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260 INTRODUCTION LUCRETIUS
[1] GELEITWORT
Auf
jeden,
der nicht
ganz
im
Geiste
unserer
Zeit
aufgeht,
sondern seiner
Mitwelt und
speziell
der
geistigen
Einstellung
der
Zeitgenossen
gegenüber
sich
gelegentlich
als
Zuschauer
fühlt,
wird
das
Werk
von
Lukrez
seinen Zauber ausüben. Man
sieht
hier,
wie
sich ein
mit
naturwissenschaftlichem
und
speku-
lativem Interesse
begabter,
mit
lebendigem
Fühlen
und
Denken
ausgestatteter,
unabhängiger
Mann
die
Welt
vorstellt,
der auch
von denjenigen Ergebnissen
der
heutigen
Naturwissenschaft
keine
Ahnung
hat, die
uns
im Kindesalter
beigebracht
werden,
bevor
wir ihnen bewußt oder
gar
kritisch
gegenüberstehen
können.
Einen tiefen
Eindruck
muß
das feste Vertrauen
erwecken,
das
Lukrez
als
treuer
Schüler
Demokrits und
Epikurs
in
die
Verständlichkeit,
bezw. den kausalen
Zusammenhang
alles
Welt-
[2] geschehens
setzt.
Er ist
fest
Überzeugt,
ja
er
glaubt
sogar
beweisen
zu
können, daß
alles auf
der
gesetzmäßigen Bewegung
unveränderlicher
Atome
beruhe,
wobei
er
den
Atomen
keine
anderen
Qualitäten
zuschreibt als
geometrisch
-
mechanische.
Die
Sinnesqualitäten
Wärme, Kälte,
Farbe,
Geruch,
Geschmack
sollen auf
die
Atombewegungen
zurückgeführt werden, ebenso
alle
Lebenserscheinungen. Seele
und
Geist
denkt
er
sich
aus
besonders
leichten
Atomen
gebildet,
indem
er (inkonsequenter
Weise)
besonderen Erlebnischarakteren
besondere
Qualitäten
von
Materie zuordnet.
Als
Hauptziel seines Werkes
stellt
er
die
Befreiung des
Menschen
von
der durch
Religion
und
Aberglauben bedingten
VIa
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