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DOCUMENT
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MAY 1897
versöhnend,
stärkend
&
doch unerbittlich
streng
durch
alle
Wirren dieses
Lebens führen werden. Wenn
ich
nur
dem
guten
Kind auch
etwas
davon
geben
könnte! Und
doch,
welch
seltsame Art
ist
das,
um
die
Stürme
des
Lebens
zu
ertragen-in
mancher klaren Stunde komme
ich
mir
vor
wie
der
Vogel
Strauß,
welcher
seinen Kopf
in den Wüstensand
steckt,
um
die
Gefahr
nicht
zu
sehen.
Man schafft sich da selbst
so
ein Weltchen, wie
kläglich
unbedeutend
es
auch immer sei
gegen
die
ewig
wechselnde Größe
des
wahren
Seins,
und fühlt
sich
noch wunder wie
groß
&
wichtig
dabei,
wie
etwa
der
Maulwurf in seinem
selbstgegrabnen
Loch.-Doch
wozu
sich
selbst herun-
tersetzen,
das
besorgen
schon andere
wenns
not
thut,
drum
genug
davon.
Ihr
liebes
Briefchen,
die
Maiglöckchen,
die
Gedichtchen, alles
hat mich
innig gefreut
wie
alles,
was von
Ihrem lieben Häuschen kommt. Ich danke
Ihnen
von
ganzem
Herzen dafür.
Bei
mir
gibts gar
wenig
Interessantes in
meinem äußern
Leben,
so
philiströs,
daß
die
Leute ihre
Uhr
nach mir richten
könnten-nur
würden
in
der Frühe dann ihre Uhren
etwas
nachgehen. Geistig
gibt
es
immer
gar
viel
Abwechslung. Samstag
abends musiziere
ich bei
einer
hiesigen
Dame[3]
mit noch
einigen Herrn,
darunter
Byland;[4]
es
sind
die
schön-
sten
Stunden der Woche.
Byland
las mir
einige
Stücke
von
Gerhart
Haupt-
mann
vor,
die
mich
riesig
entflammt haben.
Bei
"Hanneles
Himmelfahrt"[5]
hab
ich
weinen müssen
wie ein
Kind,
halb
selig,
halb
im
Schmerz. Dies Kleinod
müssen
Sie
auch
lesen;
ich
kann nichts mehr davon
sagen-wenn
man
dran
denkt muß
man schweigen.
Seien
Sie,
sowie die
lieben Ihren tausendmal
gegrüßt
von
Ihrem
Albert.
ALS
(Sz,
Wint. Korr.
99).
[1] Dated
by
the
reference to
Whitsunday,
which
was
6
June.
[2]
Marie
Winteler.
[3]
This
may
be
a
reference to
Selina
Cap-
rotti
(1850-1907),
in whose
home
Einstein
met
Michele Besso
(see
Einstein
to
Michele
Besso,
6
March
1952,
and Michele
Besso to
Edgar
Luscher, 23
September
1943, a
copy
of
which
is
in
the editorial
files).
[4] Hans
Byland,
Einstein's
fellow
pupil
at
the
Aargau
Kantonsschule,
was
also
studying
in
Zurich. He
often accompanied
Einstein
on
the
piano
(see Byland 1928).
[5]
Hauptmann
1894.
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