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DOCUMENT
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AUGUST 1900
erzeugte Frohgefühl
alle
Zuversicht. Ich meine
schon,
daß
ich
Dich einen
ganzen
Monat nicht habe
puzerlinen
können und sehne mich
tüchtig
nach
Dir.
So ein
geschicktes rühriges Ding
sieht
man
im
ganzen
Ameisenhaufen
des Hotels[4]
nicht
als wie
mein Doxerl mit seinen
geschickten
Händen. Die
Schwiegermama
hat
sich
schon soziemlich mit mir
ausgesöhnt
& schickt
sich
allmählich
ins
Unvermeidliche.
Schon hat
sie die muntere
Laune wieder-
gefunden.
Papa
hab
ich
auch
geschrieben;
er
hat
mir
einen
Separatbrief
angekündigt;
er
wird
sich
jedenfalls
auch
anfangs sträuben,
doch
ist
das
alles
nicht
von Belang.
Ich sehne mich furchtbar nach einem Brief
von
meiner
geliebten
Hex.
Ich
kann
es
kaum
fassen,
daß
wir
noch
so lange getrennt
sind-jetzt sehe ich
erst,
wie
furchtbar
lieb ich
Dich habe! Laß Dirs
ja
recht
gut gehen,
damit Du mir
ein
blühendes Schätzchen wirst und toll
wie ein
Gassenbub.
Melchthal
ist ein
wundervolles
Flußthälchen,
von
hohen,
doch nicht mit
Gletschern bedeckten
Bergen gebildet.
Speziell unser
Hotel ist
eine
vorzügliche
Fütterungsanstalt;
doch
fühle ich
mich nicht wohl in dieser Faulenzerei
unter
diesen verweichlichten Menschen. Besonders
wenn
ich die
aufgeputzten
faulen
Frauen
sehe,
denen immer
was
nicht recht
ist,
dann
denke ich mit
Stolz:
Johonnesl,
Deins Doxerl ist doch
eine
andere Maid.
Der
Brandenberger
ist
auch hier
sammt
Braut,
einer
jungen Züricherin,
die mir sehr
gut
gefällt.[5]
Beide
schwimmen sichtlich in
Glückseligkeit-ein
sehr
nettes
Pärchen.
Gestern
war
ich
mit
Maya
auf einem ziemlich hohen
Berg, wo
wir
viele
Edelweiß fanden. Wir hatten
eine
herrliche
Aussicht,
besonders auf
die
gewaltigen
Firnfelder
des Titlis.[6]
Gegen
Mitte
August gehen
wir
zu
Papa
nach
Italien,
um uns
noch
an
einem
südlicheren
Orte
aufzuhalten. Ich
gehe
vorher noch nach
Zürich,
um
wegen
meiner
Stelle
nachzusehen. Von Ehrat hab
ich
auch noch keine
Nachricht.[7]
Da
es
viel
regnet,
habe
ich
schon
viel studiert,
hauptsächlich
die
berüchtigten
Untersuchungen
über
die
Bewegung
des starren
Körpers
von
Kirchhoff.[8]
[4]
Probably
the Kurhaus
Melchthal,
the
largest
hotel
in
the
village.
[5] Konrad
Brandenberger (1873-1919) was
a
student
in
natural
sciences at
the Univer-
sity
of Zurich
(see
Matrikelbuch,
no.
10203,
SzZSa,
UU 24a
5).
He married Anna Ram-
sauer (1881-1970)
in
1901
(see
Einwohner-
kontrolle,
SzZ-Ar).
[6]
A
peak
(3,239 m)
on
the border between
the
cantons
of Uri and
Bern.
[7]
Ehrat
had been recommended for
a
position
at the ETH
as
Professor Rudio's
Assistent
(see
Doc.
77,
note
1).
He also
was
a
candidate for
a
position at
the
Thurgau
Kantonsschule
in Frauenfeld. Another candi-
date
was
Karl Matter
(1874-1957),
one
of
Professor
Hurwitz's
Assistenten
(see
Gut-
achten über
...
Probelectionen, 18 August
1900,
SzFSa,
Aufsichtskommissionsakten der
Kantonsschule Frauenfeld
1900-1904;
and
ETH
Programm
1899b, p. 23).
Einstein
hoped
to
secure a
position
as
Assistent at
the
ETH should either of these candidates be
successful.
[8]
Kirchhoff 1897,
chaps.
5-7.
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