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1) Der Fortschritt der Experimentalphysik hängt zu einem großen Teil von der
Vervollkommung der Meßinstrumente ab, was durch gemeinsame Arbeit der Ge-
lehrten und Mechaniker erreicht wird: [----] also Mechaniker wie Hr. Haensch sich
solcher gemeinsamer Arbeit eifrig und erfolgreich widmen so liegt es im Interesse
der Wissenschaft, ihnen Würdigung einer solchen Fertigkeit durch eine Belohnung
Ausdruck zu geben.
2) Die an den Staatsanstalten arbeitenden Mechaniker (jetzt Techniker genannt)
sind in erheblich tieferen Besoldungsklassen als die Bürokraten eingestuft. Hier-
durch ist klar gemacht worden, daß der Stand der Mechaniker im Staat noch nicht
die ihm gebührende Achtung genießt. An der Hebung dieses Standes ist nach dem
sub 1) gesagten die Wissenschaft interessiert, und dazu ist eine akademische Eh-
rung des Standes ein geeignetes Mittel.
Ich erlaube mir an die Klasse die Bitte zu richten, meinen Antrag zu unterstüt-
zen, vielleicht auch durch Mitunterzeichnen desselben.
Herrn Haensch btr. kann ich auf Wunsch noch speziellen Angaben liefern und
bemerke hier nur, daß nach dem Urteil des hervorragend sachverständigen Prof.
Brodhun[4]
die Firma Schmidt & Haensch auf dem Gebiet der Photometrie weitaus
die erste in Deutschland ist und auf dem Gebiet der Polarimetrie auch jetzt noch,
trotz [----] gewichtiger Konkurrenz, an erster Stelle steht.
____________
Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen, Herr Kollege, persönlich noch bemer-
ken, daß ich mich mit der Wahl ausländischer Korrespondenten beim besten Willen
nicht befreunden
kann.[5]
Meines Wissens ist seit dem Kriege noch kein deutscher
Physiker—Sie wohl ausgenommen—zum Korrespondenten einer auswärtigen
Akademie ernannt, und da wir in Deutschland an tüchtigen Physikern doch keinen
Mangel haben sollte man diesen die verfügbaren Ehrungen zu [---] lassen.— Au-
ßerdem ist mir zweifelhaft, ob den Ausländern mit der Wahl gedient ist. Kamerl-
Onnes scheint mir aufgefallen, daß er in der letzten No [d] Communications fran-
zösisch veröffentlicht
hat[6]
(nicht nur den rapport an d. Solvay Kongreß: [v.] April
21)[7]
. Außerdem steht er durch das Solvayinstitut mit den extrem deutschfeindli-
chen Belgiern in
Verbindung.—[8]
Doch ist dies alles meine Privatmeinung und zweifle ich nicht, daß die Herren
stichhaltige Gründe für ihre Vorschläge haben.
Mit bestem Gruß Stets Ihr
E. Warburg.
ALS. [23 241].
[1]Emil Warburg (1846–1931) was president of the Physikalisch-Technische Reichsanstalt (PTR)
and member of the Prussian Academy of Sciences.
[2]The Leibniz Medal had been awarded annually since 1907 by the Prussian Academy of Sciences
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