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auffallende Strahlung oder die Abkühlung durch Ausstrahlung quantitativ darzu-
stellen. Ist meine Vermutung richtig, daß die Annahme von Änderung der Quan-
tenbahnen durch Atomzusammenstöße zu Unzuträglichkeiten führt?
Diese Anfrage wird durch die Hoffnung motiviert, daß Ihnen für die Lösung nun
die Mühe einer Minute Ueberlegung und zwei Zeilen Niederschrift angemutet
wird. In der Tat kann ich mir lebhaft vorstellen, daß ähnliche Anfragen bei Ihnen
in einem Berg an Korrespondenzen auswachsen könnten.
Im übrigen denke ich gerne an manches Zürcher Gespräch und insbesondere das
von Berlin i. J. 1915
zurück.[4]
Was haben wir seither erlebt! Majestätisch und un-
widerstehlich schritt eine höhere Macht einher. Mir liegt unendliches daran, daß die
Entwickelung richtige Bahnen einschlage. Ihr mutiges persönliches Eintreten für
Wahrheit und Besonnenheit hat mir bis ins innerste Innere wohl getan und es wird
Ihr Bild wissenschafltich und menschlich achtungsgebietend auf die Nachwelt zu-
rückleuchten.
Mit freundlichen Grüßen und Erinnerungen Ihr altergebener (und mächtig
alternder)
A. Stodola
ALS. [22 258]. Written on letterhead “Dr. A. Stodola Prof. a. d. Eidgen. Techn. Hochschule.”
[1]Aurel Stodola (1859–1942) was Professor of Mechanical Engineering at the Eidgenössische
Technische Hochschule.
[2]Stodola attended at least one lecture of Einstein’s course at the University of Zurich and partici-
pated in the discussion that followed (see Einstein to Michele Besso, 17 November 1909 [Vol. 5,
Doc. 187], note 4).
[3]Einstein 1916n (Vol. 6, Doc. 38).
[4]They met at the end of September (see Einstein to Heinrich Zangger, 4 October 1915 [Vol. 8,
Doc. 124a in Vol. 10]).
218. To Hellmut von Gerlach[1]
Berlin, den 6. VI. 22.
Verehrter Herr von Gerlach!
Ich erfahre, dass bei unserem
Franzosen-Besuche[2]
weder Painlevé noch sonst
ein prominenter Vertreter der französischen Gelehrtenschaft anwesend
ist.[3]
Da
meine Ansprache am Sonntag als die eines Nicht-Politikers gerade der Begrüssung
der Gelehrten gewidmet sein sollte, so werde ich in der Sitzung am Sonntag das
Wort nicht nehmen. Dieser Verzicht fällt um so weniger störend in’s Gewicht als
ich jede Gelegenheit wahrnehmen werde, um unserem Besuch aufmerksam zu
sein. Besonders freut es mich bei diesem Anlass am Sonntag einige Stunden in Ih-
rem Hause zu verbringen.
Mit freundlichen Grüssen
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