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auch wenn wir noch nicht da sein sollten. Wir wollen je nach der Witterung unge-
fähr am 20. Oktober in München sein; aber er kann auch schon früher kommen; wir
freuen uns auf ihn.
Im November gehe ich denn nach Kiel, um nachzusehen, was die neue
Kugel[2]
u. Ihre
Diogenes-Tonne,[3]
die bis dahin wohl im Rohbau fertig sein wird, machen.
Hier in Lautrach sieht es noch böse
aus,[4]
Maler, Tapezierer u. Maurer dominie-
ren; wir haben ein sehr unwohnliches Zimmer einstweilen als refugium mühsam
den Handwerkern abgerungen; aber jetzt wird es von Tag zu Tag besser. Es ist so
friedlich u. ruhig hier, Sie werden Ihre Freude haben, wenn Sie Sehnsucht haben,
aus dem Berliner Trubel wegzukommen und hier still und friedlich hausen wollen.
Meine Frau u. ich senden die besten Grüße von Haus zu Haus, Ihr
Anschütz-Kaempfe.
ALS. Lohmeier and Schell 2005, pp. 176–178. [37 382]. Written on the author’s letterhead. There are
perforations for a loose-leaf binder at the left margin of the document.
[1]Apparently Einstein and Anschütz were considering the option that Hans Albert would attend
the University of Munich and not, as Einstein hinted in Doc. 306, the Eidgenössische Technische
Hochschule in Zurich.
[2]The sphere that includes the gyroscopes of the new version of the gyrocompass.
[3]The little cottage promised to Einstein in Doc. 298.
[4]The castle Anschütz bought and was turning into a retreat for the philosophical faculty of the
University of Munich.
329. To Paul Ehrenfest
[Berlin, on or after 21 August
1922][1]
Lieber Ehrenfest!
Die böse Prognose wegen des kleinen Wassi hat mich sehr
betrübt.[2]
Sollte sie
auf sicherer Grundlage beruhen, so billige ich Deinen Plan, das Kind unpersönli-
cher Pflege zu übergeben durchaus. Denn wertvolle Menschen dürfen nicht aus-
sichtslosen Dingen hingeopfert werden, auch in diesem Falle nicht. Es ist gut, wenn
Du in diesem Falle schnell handelst. Es freut mich, dass Du so viel Freude an Dei-
nem
Bruder[3]
und seiner Familie gehabt hast, und dass dieser energische Mann Dir
in Deinem schwierigen Problem eine Stütze ist.
Unsere Notiz habe ich Herrn Scheel
geschickt.[4]
Deinen letzten Satz habe ich
unverändert stehen lassen, trotzdem ich die Andeutung gar nicht begriffen habe.
Ich kann nämlich nicht einsehen, wieso man die Einstellung ins magnetische Feld
dadurch sollte besser begreifen können, dass man annimmt, die Quantelung sei im
Prinzip ungenau realisiert. Es wäre schon gut, wenn Du mir das zur Beruhigung
meines literarischen Gewissens plausibel
machtest.[5]
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