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330. From Maja Winteler-Einstein
Firenze-Colonnata Quinto, 5 via Strozzi, 25-VIII-22.
Mein lieber Albert!
Ich kann mir denken, was für ein herrliches Leben Du mit Deinen Buben geführt
hast in der
Einsamkeit.[1]
Der Gruss von Tete hat mich sehr gefreut. Ich möchte ihn
gar gern auch kennen lernen. Ich sah ihn nur einmal als er 4 Jahre alt war. Ist’s denn
nicht zu machen, dass die Buben auch einmal zu uns kommen? Also Albert studiert
schon. Er wird wohl im Oktober nach München gehen. Was studiert er denn eigent-
lich? Ich denke
Ingenieur?[2]
Ich hoffe nur, dass die Sache mit Deiner Gefährdung wirklich nicht so schlimm
ist.[3]
Doch bin ich nicht ruhig, so lange Du in Berlin bist. Hier sind ja die Gemüter
auch sehr aufgeregt, aber der Kampf spielt sich ziemlich offen nu[r] zwischen Fa-
scisten u. Communisten ab, so dass andere Sterbliche vor Revolverschüssen u. Prü-
geln geschützt sind. Wir merken nur aus den Zeitungen, was etwa vorgeht.
Es tut mir sehr leid, dass Elsa so viel durchzumachen hatte. Hoffentlich ist sie
nun ganz
geheilt.[4]
Um die schöne Reise beneide ich sie von Herzen. Die lange
Seereise wird ihrer Gesundheit gut tun. Komm doch auf Deiner Rückreise zu uns.
Da wirst Du Dir am besten einen Begriff von unserm Leben machen können. Wir
haben’s so schön wie noch nie u. geniessen unser Glück jeden Tag von Neuem.
Pauli[5]
sucht mit der Schweizer Kolonie in Fühlung zu treten, um sich nach u. nach
als Jurist betätigen zu können. Er hält im Herbst dort einen Vortrag, an dem er fleis-
sig arbeitet. Ich besorge die Haushaltung, koche, flicke u. tue sonst noch, wonn sich
Gelegenheit bietet.
Ich möchte Dich nun dringend bitten, uns vor Deiner Abreise genau zu instruie-
ren, was wir im Spätherbst mit den Dingen, die da kommen werden, anfangen
sollen.[6]
Wohin sollen sie gehen? U. soll das, was Du von uns direkt bekommst, an
den gleichen Ort gebracht
werden?[7]
Auch wäre ich Dir sehr dankbar, wenn Du
uns Onkel Jakobs Adresse verschaffen könntest, damit wir ihm auch gleich seinen
Segen zukommen lassen
können.[8]
Also, bitte, beantworte all die Fragen vor Deiner Abreise. Lass auch auf der Rei-
se etwa etwas von Dir hören. Du kannst Dir gar nicht denken, wie ich mich für die
Eindrücke interessiere, die Du haben wirst.
Wir grüssen Euch alle he[rz]lich. Ich geb Dir noch einen schwesterlichen Kuss
Maja
ALS. [144 809]. There are perforations for a loose-leaf binder at the left margin of the document.
[1]Einstein and his sons spent their vacation in Spandau (see Doc. 241).
[2]Hans Albert was deliberating whether to study engineering at the Eidgenössische Technische
Hochschule in Zurich or at the University of Munich (see Docs. 306 and 328).
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