DOCUMENT 391 IMPRESSIONS IN JAPAN 607
(342)
Schaft.
Manches zarte Frauchen, das sonst
vor
der
Frühstückszeit
niemals
gesehen wurde,
lief
unruhig
und
selig
um
sechs
Uhr
morgens
[7]
auf Deck herum,
den rauhen
Morgenwind
nicht
achtend,
um
sobald als
[8]
irgend möglich
die
heimatliche
Erde
zu
schauen. Ich
war
gerührt,
als
[9]
ich
sah,
wie tiefe
Bewegung
sich aller
bemächtigte.
Der
Japaner
liebt
sein Land
und
sein Volk
mehr als
alle anderen, und
er
fühlt
sich trotz
seiner
sprachlichen Fähigkeiten
und
seiner
grossen Neugier
allem
Ausländischem gegenüber
doch fremder im
Ausland
als alle
anderen.
Woher
kommt
das
?
Zwei Wochen erst bin ich in
Japan
gewesen,
und
gar
vieles
ist
mir
[10]
noch
geheimnisvoll
wie
am
ersten
Tag.
Aber
manches
habe
ich doch
verstehen
gelernt,
am
meisten die
Scheu
des
Japaners
dem
Europäer
und
Amerikaner
gegenüber.
Bei
uns
ist
die
ganze
Erziehung
darauf
gerichtet,
dass wir den
Kampf
ums
Dasein
als Einzelwesen
unter
[11]
möglichst günstigen Bedingungen erfolgreich
aufzunehmen
vermögen.
Besonders
in
den
Städten
weitgehendster
Individualismus,
rücksichtslose
Konkurrenz
bei
Anspannuug
der
höchsten
Kräfte,
fieberhafte Arbeit
um
möglichst
viel
Luxus und
Genüsse
zu
erringen.
Das
Band
der
Familie
ist
gelockert,
der Einfluss der
künstlerischen
und
moralischen Tradition
[12]
auf
das tägliche
Leben
verhältnismässig gering.
Die
Isolation
des
Individuums wird als
notwendige Folge
des
Daseinskampfes
angesehen,
sie
raubt dem Menschen
jene
heitere
Sorglosigkeit,
die
nur
das
Aufgehen
in einer
Gemeinschaft verleihen kann.
Die
vorwiegend
rationalistische
Bildung-für das
praktische
Leben
unter
unseren
Verhältnissen
unentbehrlich-verleiht dieser
Einstellung
des Individuums
noch
mehr
Schärfe; durch
sie
triit
die
Vereinsamung
des Individuums
noch
[13]
starker in das
Bewusstsein
tritt.
[14]
Ganz
anders
in
Japan.
Das
Individuum
ist hier
weit weniger
allein
auf
sich
gestellt
als in
Europa
oder
Amerika. Die
Bande der
Familie
sind
viel
enger
als
bei
uns,
trotzdem das
Gesetz sie
eigentlich wenig
beschützt. Aber die Macht
der öffentlichen
Meinung
ist hier
stärker
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