608 DOCUMENT 391 IMPRESSIONS IN JAPAN
(341)
noch als
bei
uns
und
sorgt
dafür,
dass das
Gefüge
der Familie nicht
gelockert
wird. Die
gedruckte
und nicht
gedruckte
Fama hilft
durch
Zwang
vollendem,
was
durch
Erziehung
und
angeborene Gutherzigkeit
[15]
des
Japaners
meist schon
genügend gesichert
ist.
Der Zusammenhalt der Familien
im weiteren Sinne in
materieller
Beziehung,
die
gegenseitige Hilfe,
wird
erleichtert
durch die
Anspruchs-
[16]
losigkeit
des Individuums
in
Wohnung
und
Nahrung.
Der
Europäer
[17]
kann im
Allgemeinen
eine
Person in seiner
Wohnung
beherbergen,
[18]
ohne
dass die
Ordnung
des Hauses
empfindlich
gestört
wird. So
kommt
es,
dass der
europäische
Mann meist
nur
für
Frau und Kinder
sorgen
[19]
kann,
wenn es
gut
geht.
Oft rjusst die Frau
am
Erwerben
teilnehmeu,
auch die
Frau der oberen Stände
und die
Erziehung
der
Kinder
den
Dienstboten überlassen.
Dass
erwachsene Geschwister
oder
gar
fernere
Verwandte
für einander
sorgen,
gehört
schon
zu
den Seltenheiten.
Aber noch
aus
einem
zweiten
Grunde ist
der
engere
schützende
Zusammenhang
der Individuen in diesem
Lande leichter
möglich
als
bei
uns.
Es
ist die
eigentümliche
japanische
Tradition, die
eigenen
Gefühle
und Affekte nicht
zu
äussern, sondern unter allen Umständen
ruhig
und
gelassen
zu
bleiben.
Hierauf beruht
es,
dass
viele,
auch
seelisch nicht
miteinander harmonierende Personen
unter einem
Dache
wohnen
können,
ohne dass
es zu
peinlichen
Reibungen
und Konflikten
kommt.
Hierin scheint mir der tiefe
Sinn des
japanischen
Lächelns
zu
liegen,
das dem
Europäer
so
rätselhaft
ist.
Bringt
diese
Erziehung
zur
Unterdrückung
der
Gefühlsäusserung
des
Individuums
eine innere
Verarmung,
eine
Unterdrückung
des
Individuums selbst mit
sich?
Ich
glaube
es
nicht. Die
Entwicklung
dieser
Tradition
war gewiss
erleichtert
durch eine diesem Volke
eigentümliche Feinfühligkeit
und
durch
eine
Intensität
des
Mitgefühls,
das lebhafter
zu
sein scheint als
bei
dem
Europäer.
Ein
rauhes Wort
verletzt
den
Europäer
nicht
weniger
als
den
Japaner.
Ersterer schreitet
sofort
zum
Gegenangriff,
Gleiches
mit
Gleichem reichlich
vergeltend.
Previous Page Next Page