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403. To Yuanpei Cai
[Miyajima,] 22. Dez. 22.
Hochgeehrter Herr Rektor,
Es ist mir ein grosser Schmerz, dass ich im gegenwaertigen Augenblick trotz al-
lem guten Willen und trotz frueheren feierlichen Versprechens unmoeglich nach
China kommen
kann.[1]
Als ich in Japan ankam, wartete ich fuenf Wochen lang
vergeblich auf eine Nachricht aus Peking. Als diese ausblieb, war ich ueberzeugt,
dass die Universitaet Peking nicht mehr beabsichtigt, auf die fruehere Einladung
zurueckzukommen. Deshalb hielt ich es nicht fuer taktvoll, bei Ihnen anzufragen.
Ich konnte dies umso weniger, als Herr Dr. Pfister in Shanghai—angeblich von Ih-
nen autorisiert—mir Anerbietungen bezueglich eines Aufenthaltes in China mach-
te, welche mit unseren frueheren Verhandlungen in Widerspruch
waren.[2]
Auch
hieraus musste ich schliessen, dass Sie an letzteren nicht festzuhalten beabsichtig-
ten.
Unter diesen Verhaeltnissen blieb ich laenger in Japan, als dies mit einem Besu-
che in China vereinbar gewesen waere und traf alle meine Reisevorbereitungen
unter der Voraussetzung, dass meine Reise nach China unterbleiben solle.
Im Besitze Ihres heute angekommenen Briefes sehe ich ein, dass dies ein Miss-
verstaendnis
war;[3]
ich sehe aber keine Moeglichkeit mehr, meine Dispositionen
nachtraeglich abzuaendern. Ich gebe mich aber der angenehmen Hoffnung hin,
dass Sie meine Handlungsweise begreifen werden, denn Sie koennen sich denken,
mit wie grossem Interesse ich Peking jetzt besucht haette. Ferner hoffe ich zuver-
sichtlich, dass dies durch ein trauriges Missverstaendnis verursachte Versaeumnis
sich spaeter wird wieder gut machen lassen.
Mit dem Ausdruck meiner vorzueglichen Hochachtung
A.
E.[4]
TTrL. [36 491].
[1]In early May, Einstein had accepted an invitation to lecture at the University of Beijing for two
weeks (see Doc. 177).
[2]In late August, Einstein had informed Maximilian Pfister that he may undertake a two- to three-
week lecture tour in China. However, he was uncertain whether he would be able to embark on the
tour as originally planned due to the current turmoil there (see Doc. 331).
[3]For Cai’s letter, see Doc. 392. One month previously, the German Embassy in Tokyo had
informed its counterpart in Peking (Beijing) that Einstein would “presumably” (“voraussichtlich”)
not visit Beijing (see Plessen to German Embassy, Peking, 22 [November 1922] [GyBPA-AA/R9208/
3508 Deutsche Botschaft China]). For Cai’s subsequent disappointment at the cancellation, see Hu
2005, pp. 73–74.
[4]The initials are handwritten, not in Einstein’s hand.
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