APPENDIX A
HANS ALBERT EINSTEIN AND MILEVA EINSTEIN-MARIC TO
HERMANN ANSCHÜTZ-KAEMPFE
[Zurich, before 24 July 1923]
Verehrter Herr Dr. Anschütz!
Ich danke Ihnen vielmals für Ihren lieben Brief und ich freute mich sehr über seinen In-
halt. Es ist mir nämlich der jetzige Zustand und die Ursachen die Papa leiten so unklar, dass
es mir sehr willkommen ist mit jemandem darüber zu sprechen. Ich will jetzt garnicht auf
die Sache eingehen in der Erwartung Sie selbst zu sprechen.
Würde es Ihnen passen, wenn ich am Samstag dem 28 Juli käme, so wäre mir das fast
am liebsten [.] Passt es Ihnen vorher besser, so schreiben Sie mir bitte eine Karte mit der
betreffenden Zeitangabe und ich werde erscheinen.
Ich muss Ihnen wirklich nochmals herzlich danken für die Mühe die Sie sich um uns ge-
ben und bleibe voller Erwartung hier bis zum 28 Juli wenn Sie nichts anderes berichten.
Viele Grüße an Sie und Ihre Frau Gemahlin von
Albert.
Sehr geehrter Herr Doctor!
Verzeihen Sie mir bitte, wenn ich mich Alberts Zeilen mit ein Par Worten anschliesse
und Ihnen dafür danke, dass Sie sich so freundl. einer Sache annehmen wollen, die uns
schon so viel Kopfzerbrechens gemacht hat, ohne dass wir ans Ziel gekommen wären. Wa-
rum Einstein so unversönlich böse ist, ist uns nicht recht klar, denn es ist nichts geschehen,
was dies rechtfertigen würde, und es thut uns leid, besonders mir um Alberts willen, wie
ich es überhaupt bedauerlich finde, dass die Uneinigkeit der Eltern einen Schatten auf seine
ganze Jugend wirft, und ihn leiden lässt. Meine Briefe an Einstein, in denen ich ihn bat, sich
imbezug auf das Geld des N. P. doch an unsere vertraglichen Abmachungen zu halten, mus-
ste ich schreiben, weil ich von den hiesigen Vormunschaftsbehörden aus, verpflichtet bin,
für die Interessen meiner Kinder besorgt zu sein, und um mir eventuelle spätere Vorwürfe
zu ersparen, dass ich mich um die Sache nicht bekümmert hätte; ich dachte auch sie schrei-
ben zu dürfen, denn es handelt sich dabei nicht um meine eigenen Vorteile sondern nur am
diejenigen unsere[r] Kinder. Nichts aber lag mir ferner, als Einstein verletzen zu wollen
oder undankbar zu sein. Albert kann Ihnen die Sache erzählen, und ich wäre Ihnen sehr
dankbar, wenn Sie einen Weg finden würden, um das Verhältniss zwischen Albert und sei-
nem Vater, den er liebt und verehrt wieder zu einem erträglichen zu machen. Die Kinder
haben ja leider und zu meinem schweren Kummer so wie so, so sehr wenig von ihrem Vater.
Mit höfl. Grusse zeichne ich
Mileva Einstein
ALS. [144 385] and [144 385.1]. There are perforations for a loose-leaf binder at the left margin of
the document.
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