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ihr gern verzeihen was ich durch sie gelitten
habe.[8]
Es tut mir nur sehr, sehr leid,
dass ich von meinen Neffen gar nichts habe. Komm doch bald einmal mit ihnen zu
uns. Ich denke so viel an Dich u. hänge so an Dir u. habe gar nichts von Dir. Weisst
Du denn gar nicht mehr wie gut wir uns verstanden haben als Du pflegehalber wäh-
rend des Krieges bei mir
warst?[9]
Das ist das einzigemal gewesen, dass Du mehr
als 2–3 Tage für mich übrig gehabt hast.
Es hat mich kolossal überrascht, dass Du eine Fortsetzung der allgemeinen Re-
lativitätstheorie gefunden hast u.
ausarbeitest.[10]
In welcher Richtung bewegt sich
denn diese Fortsetzung? Eine noch grössere Verallgemeinerung der bisherigen Er-
gebnisse, kann ich mir nicht vorstellen. Es muss sich dann doch wahrscheinlich
¢auf² um eine spezielle Anwendung ¢beziehen.² handeln Gelt, sag mir etwas
darüb[er].
Ich beschäftige mich ausser mit Kochen u. Flicken auch noch immer mit
Philosophie u. Musik. Im April war Peter mit seiner Frau bei
uns,[11]
da wurde fort-
während diskutiert.
Verkehr haben wir sozusagen keinen. Bice sehe ich etwa alle 14 Tage; wir woh-
nen sehr weit
auseinander.[12]
Es braucht nahezu 2 Stunden ¢Weg² Zeit um von hier
zu ihr zu kommen. Ausserdem besuche ich noch jede Woche einen kranken blinden
Freund von
Michele.[13]
Das ist alles. Aber es ist mir sehr wohl dabei, u. ich wünsch
es nicht anders.
Je älter ich werde, desto weniger sagen mir die Menschen. Es gibt nur ganz we-
nige, denen man wirklich etwas sein kann u. meist sind das auch—merkwürdiger-
weise—diejenigen, die einem auch etwas bieten.
Nun grüss mir alle vielmals. Ich hoffe, Onkel u. Tante seien wohl
auf.[14]
Was
machen die
Kinder?[15]
Dir wünsch ich alles Liebe u. Gute Deine
Maja.
ALS. [144 811]. There are perforations for a loose-leaf binder at the left margin of the document.
[1]Maja (1881–1951) was Einstein’s sister.
[2]On Elsa’s illness, see Doc. 21.
[3]In January, Einstein had been offered a chair at the University of Rome (see Rafaele Contu to
Einstein, 8 January 1923 [Vol. 13, Doc. 416]).
[4]Paul Winteler (1882–1952) was Maja’s husband and a retired employee of the Swiss Federal
Railroads.
[5]Winteler represented Einstein’s interests on the board of directors of the Schweizerische Auer-
Aktien-Gesellschaft (SAG). In late March, he had given Einstein a very detailed report on their
income from the SAG and of his management of payments on Einstein’s behalf (see Paul Winteler to
Einstein, 22 March 1923 [Vol. 13, Doc. 448]).
[6]“Albert
Einstein—Beitrag
für sein Lebensbild” (SzGB 73 880]); pp. 4–16 were published in
Vol. 1, xlviii–lxvi.
[7]Hans Albert Einstein; Mileva Einstein-MariF.
[8]Possibly a reference to Mileva’s refusal to have Hans Albert board with Maja in the spring of
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