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so ist, nicht jede „geschiedene Frau“, wie Du es immer
betonst,[4]
hätte nach allem
erlebten die Kinder so beeinflusst. Unsere beiden letzten Briefe, stammten nicht
aus irgend einem Über[m]ut, sondern nur aus
Sorge.[5]
Bedenke was für unendlich
schwere Jahre ich schon durchlebt habe, auch die Kinder, besonders Albert als der
ältere, sind natürlich nicht ¢ab² unberührt davon geblieben. Wir freuten uns nun,
dass mit dem N.
P.[6]
jetzt wenigstens das materielle so geordnet werden könnte,
dass ich dieser Sorgen entledigt wäre. Deine Anordnungen, so ganz entgegenge-
setzt allen Abmachungen und auch Deinen Worten, als Du zuletzt hier warst, haben
uns erschreckt und uns neue Sorgen gemacht. Bedenke dass ich nicht jeden Tag
jünger werde, dass meine Gesundheit sehr unbeständig ist, und dass sie durch im-
merwahrende Aufregungen immer mehr leidet; Tete ist noch
klein,[7]
und es wird
sehr lange noch gehen bis er einmal auf selbstständigen Füssen wird stehen kön-
nen. Das alles macht [m]ir Sorgen, wenn ich denke, dass eine Sicherheit die wir
haben könnten, uns möglicherweise entzogen werden soll. Denke Dich doch in un-
sere Lage, und sei wenigstens zu den Kindern nicht böse; Albert hat das auf keinen
Fall verdient; er hat gemeint seine Pflicht zu tun, und hat offenbar auch auf eine
Liebe von Dir gerechnet, Du darfst ihm das nicht auf diese Weise belohnen.
Denke auch nicht, dass wir geldgierig sind und Dir am liebsten alles was Du hast
wegnehmen würden. Du weisst, dass Albert sich das Geld für alle Nebenausgaben
selber verdient. Ich ebenso u. zwar neben allen häusslichen Arbeiten; auch darin
wirst Du uns doch keine Vorwürfe machen wollen. Also ich bitte Dich schreibe
dem Albert ein Par liebe Worte und mache den Jungen nicht traurig und unglück-
lich.
Wenn Du die Kinder nicht haben willst, so werden sie natürlich nicht kommen;
ich sandte Sie Dir jeweils nicht nur um Ihnen sondern auch Dir eine Freude zu ma-
chen.
Ich bitte Dich also nochmals um ein Par freundliche Worte für Albert. Mit
freundl. Gruss
Mileva.
ALS. [144 384]. There are perforations for a loose-leaf binder at the left margin of the document.
[1]Dated by the fact that it was written after Doc. 60.
[2]Hans Albert had complained to Einstein about his handling of the investment of the Nobel Prize
money (see Doc. 60).
[3]At this point, Mileva indicates the following footnote: “ich glaube es wäre Dir später selber nicht
recht, wenn er diese harten Worte von Dir lesen wurde.”
[4]Einstein had used that phrase in Doc. 50.
[5]Most likely a reference to Docs. 46 and 60.
[6]Nobel Prize.
[7]Eduard Einstein was twelve years old.
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