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10. X wieder nach Berlin
zurück.[5]
Dann sollte ich mit Arco nach Moskau, thu es
aber
nicht.[6]
Ich will mich damit begnügen, ihm heute schriftlich viel Vergnügen
zu
wünschen.[7]
Ich habe mit der praktischen Frau Richter
gesprochen,[8]
damit sie
meine hiesige „Haushaltung“ wirtschaftlicher gestaltet. Sie war froh darüber und
versprach es. Albert ist sehr tüchtig und gutherzig, aber etwas massiv und wenig
zartfühlend. Jedenfalls habt Ihr von ihm nichts zu fürchten; dessen fühle ich mich
sicher.[9]
Er denkt nur an Maschinen, Segelboote, Touren und solche Sachen.
Schon wissenschaftliche Dinge sind ihm zu zart, und über menschliche zerbricht er
sich den Kopf überhaupt nicht. Ich lasse meine Geige und die Musikalien hier und
ersuche
Richters[10]
dass man bei nächster Gelegenheit die Geige zu uns bringt.
Nach Holland kann man sie ja nicht mitnehmen. Meine Nerven sind durch den hie-
sigen Aufenthalt viel stärker geworden durch freie Luft und korperliche Bethäti-
gung Zum Denken bin ich wenig gekommen. Ich freue mich, die vielen Besuche
nicht gesehen zu haben, und bin Dir dankbar, dass Du sie mir hier abgehalten hast.
Die Finanz-Kalamität steht nun auf ihrem Höhepunkt; in einem Jahre wirds wohl
besser aussehen. Allerdings scheint mir, dass auch unser lieber Hilferding nicht das
Richtige
macht.[11]
Jedenfalls rate ich Dir, dein Silber gut zu verstecken für den
Fall, dass darnach gefahndet wird. Vielleicht wäre es vorteilhaft, wenn ich lang fort
bliebe wegen der Valuta-Geschichte. Es wäre gut, wenn Ihr die auf der Bank be-
findlichen tschechischen Kronen
verbrauchtet.[12]
Denn was der Staat in den Ra-
chen kriegt, ist rettungslos kaput.
Seid herzlich gegrüsst von Euerm
Albert.
ALS. [143 137].
[1]Dated by Einstein’s reference to his departure for Bonn.
[2]Einstein had urgently requested his passport and an entry visa for the Allied-occupied Rhine-
land. He planned to attend the meeting of the Deutsche Physikalische Gesellschaft in Bonn, which
was held 16–22 September (see Doc. 74). He had been vacationing with Hans Albert in Kiel (see
Docs. 109 and 112).
[3]Ilse had fallen ill in May and then again in early September (see Docs. 27 and 109).
[4]A reference to Bonn being under French occupation. For Einstein’s deliberations on attending,
see Doc. 110.
[5]To work with Ehrenfest on zero-point energy (see Doc. 113).
[6]Arco had informed Einstein of the invitation from the Soviet government three days earlier (see
Doc. 114).
[7]See Doc. 117.
[8]Maria Richter-Anschütz, sister of Anschütz-Kaempfe.
[9]Two years previously, there had been some tension between Einstein’s sons and Elsa’s daughters
when they met on vacation (see Einstein to Margot Einstein, 26 August 1921 [Vol. 12, Doc. 214]).
[10]Maria Richter and her husband, Oskar.
[11]Hyperinflation had drastically reduced the value of the mark. The current rate of exchange was
116 million marks to 1 U.S. dollar (see Vossische Zeitung, 15 September 1923, EE). Rudolf Hilferding
(1877–1941) was the German minister of finance. His measures to rescue the desperate plight of the
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