D O C U M E N T 1 5 6 N O V E M B E R 1 9 2 3 2 5 1
auf, dass nach den Messungen von Wood diese regulär reflektierte Linie eine ein-
seitige Verbreiterung, nach kurzen Wellen zu, immer erkennen lässt, entsprechend
dem Verlauf der anomalen Dispersion in der Umgebung der
Absorptions-linie.[4]
Diese reguläre Reflexion ist bekanntlich nicht als eine Fortsetzung der Resonanz-
strahlung aufzufassen, indem diese bei einer bestimmten Dampfdichte schon ganz
verschwunden ist und jene erst bei einer merklich höheren Dampfdichte anfängt
aufzutreten. Das Nichtvorhandensein des Effektes bei Reflexion an gewöhnlichen
Spiegeln wird Sie ja nach dem was Sie in Ihrer letzten Karte schreiben, kaum mehr
überraschen.
Nachdem diese Frage so für mich ausschied, will ich versuchen, ob ich mit der
verwunderlich hohen Polarisation der Hg-Dampfresonanz im feldfreien Raum et-
was machen kann. Der Ihnen anscheinend jetzt nicht unsympathische Gedanke,
den ich Ihnen als wir nach den Colloquium über die Angelegenheit sprachen, er-
wähnte, dass nämlich durch das Feld der Lichtstrahlung selbst die Atome gerichtet
werden könnten, ist zuerst bei einer Unterhaltung in Bonn von
Ornstein[5]
—halb
im Scherz—geäussert worden. Ich will einmal sehen, ob man damit etwas machen
kann, habe freilich meine starken Bedenken, ob Wood’s sogenannt feldfreier Raum
so genau kompensiert gewesen sein kann, dass dagegen die doch wohl kaum mehr
als Hundertsel Gauss betragenden Lichtfelder etwas ausmachen, und ob da nicht
viel eher noch immer Restfelder von minimalem Betrag entweder vom Erdmagne-
tismus oder von der kompensierenden Spule vorhanden gewesen sein
sollten.[6]
Solche ganz zu vermeiden wird fürchte ich eine recht diffizile Angelegenheit sein.
Da ich mich schon zu einen Brief aufgeschwungen habe, will ich schnell noch
ein paar Sie vielleicht interessierende Personalia anfügen. Die hiesige Berufungs-
angelegenheit ist wieder in ein ganz blödes Stadium getreten. Die Fakultät war vom
Ministerium um eine neue Liste gebeten worden, aber nur mit Vorschlägen, die ei-
nige Aussicht auf Erfolg hätten. Planck und Laue
waren,[7]
wie mir ganz zuverläs-
sig bekannt, darüber einig, dass heute ein besserer Mann von Auswärts überhaupt
nicht herzubekommen, und wollten daher ein Provisorium vorschlagen, mit mir als
Reichsverweser. Aber in der Kommissionssitzung springt wie der den Teufel aus
dem Kasten der kleine
Wehnelt[8]
schleunigst vom Stuhl, er als der einzige Expe-
rimentalphysiker u. s. w. und es gebe nur eine mögliche Liste: Lenard, Paschen,
Zenneck;[9]
und wird hierin aufs eifrigste von Nernst
sekundiert:[10]
Lenard sei der
grösste lebende deutsche Physiker, und es sei eine Schande und was dergleichen
mehr ist; und Planck und Laue, die ja solchen Intriguen gar nicht gewachsen sind,
und offenbar um nur ja nicht scheinbare persönliche Antipathieen als ausschlagge-
bend erscheinen zu lassen, thun den Mund nicht auf, bis ein anderer (der vorher von
den beiden zur Unterstützung ihres Vorschlages ins Vertrauen gezogen war) wenig-
stens die beiden ersten als unmöglich bezeichnet und man sich nach stundenlanger
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