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ausgeschlossen, dass seine
Mutter[6]
was findet. Über die Briefe der Kinder hab ich
mich sehr gefreut. Ich bin nun überzeugt, dass Margot sich nicht unterkriegen
lässt.[7]
Man muss besonders nett zu ihr sein, damit ihr alles nicht so hart vor-
kommt. Chapiro will ich gern eine Empfehlung
geben;[8]
er passt nach Amerika.
Ich kann hier jederzeit, wenns not thut, eine Zufluchtsstelle haben und ganz ordent-
lich verdienen. Aber dann müsste ich natürlich in der Hauptsache hier wohnen,
bezw. in Amsterdam. Einstweilen scheint es ja noch nicht nötig zu sein. Nach Ame-
rika brauche ich also
nicht.[9]
Alles lässt sich machen, solange ich hier keine eigent-
liche Haushaltung führe. Das wäre viel zu teuer. Jedenfalls brauchen wir uns keine
Sorgen zu machen. Ehrenfest verreist am Montag nach
Amerika.[10]
Gestern kam
seine
Frau;[11]
sie erzählt sehr lebhaft und interessant von Russland. Ich schäme
mich, dass ich solange in Berlin Gehalt beziehe, ohne dort zu sein. Aber ich kann
es nicht ändern. Ich arbeite hier sehr ruhig und mit wechselndem Erfolg; es ist ein
hartes Suchen voll ewigen Zweifelns. Die Korrespondenz hab ich schwer vernach-
lässigt. Wenn Ehrenfest fort ist, lese ich noch einige Kollegs, damit die hiesigen
Studenten auch etwas von mir haben. Ich komme mir sehr zigeunerhaft vor. Was
ich mit Südamerika mache, weiss ich noch
nicht.[12]
Aber es ist doch ein re-
spektables Geschäft und wird nicht so schrecklich anstrengend sein. Erkundige
Dich, wieviel ich lesen müsste.
Seid alle drei herzlich gegrüsst von Euerm
Albert.
Sag Laue, dass er das Kolloquium wieder mit mir ankündigen soll; auch sei ich mit
seinem Brief betr. Einsteinturm bezw. Dr. Freundlich
einverstanden.[13]
ALS. [143 145].
[1]The political situation in Berlin had improved, in contrast to the precarious state of affairs in
which Einstein had left in early November (see Doc. 141).
[2]Einstein, together with Hendrik A. Lorentz, had been awarded the gold medal of the Genoot-
schap ter Bevordering van Natuur-, Genees- en Heelkunde in Amsterdam (see Abs. 192). Lorentz
received the medal at a ceremony on 31 October in the auditorium of the University of Amsterdam.
Because Einstein had been unable to attend (see Abs. 196), a special ceremony was scheduled for him
in December.
[3]Presumably her involvement in social work (see Doc. 165).
[4]Betty Neumann.
[5]Carel J. de Ridder (1881–1962) was a friend of Gijsbert van Aardenne, Tatiana Ehrenfest’s
fiancé.
[6]Lina Eudia de Ridder-Pierson (1859–1951).
[7]Margot Einstein had recently been disappointed in love (see Doc. 127).
[8]Joseph Chapiro (1893–1962) was a publicist. He likely wished to be recommended to Paul M.
Warburg (see Doc. 165).
[9]He had previously considered accepting a position at Columbia University (see Doc. 140).
[10]Paul Ehrenfest had been invited to visit the California Institute of Technology (see Doc. 136).
[11]Tatiana Ehrenfest-Afanassjewa.
[12]He had been invited in Doc. 138.
[13]Max von Laue. Erwin Finlay Freundlich (1885–1964) was manager of the Einstein-Spende, a
foundation for the construction of the solar observatory called “Einsteinturm.” On the inauguration of
the tower in 1921, see Vol. 12, Introduction, p. liii.
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