2 8 0 D O C U M E N T 1 7 4 D E C E M B E R 1 9 2 3
Speisen sowie ungenügend zerkleinerte (gekaute), die thermisch bzw. mechanisch
reizen, sowie solche die specifisch die Magensaftdrüsen zur Secretion reizen (Ge-
würze, Caffée, starke Bouillon, sogen. pikante Saucen). Es wird Ihnen gut bekom-
men, wenn Sie 1) häufig kleine Mahlzeiten zu sich nehmen und es vermeiden, den
Magen durch seltnere Zufuhr großer Quantitäten zu überanstrengen; 2) gekochtes
Fleisch, Eier, Butter, Sahne, altbackenes Brod, Käse, gekochten Fisch, ferner
Kartoffeln und Gemüse nur in Pureeform zu sich nehmen, 3) Haben Sie Sich das
Rauchen wieder
angewöhnt?[2]
Die Übertreibung wäre schädlich. 4) Wenn keine
organischen Veränderungen der Magenschleimhaut vorliegen sondern nur nervöse
Circulationstörungen, ist Gymnastik ein vorzügliches Heilmittel, das ich Ihnen
dann in jeder Form gar nicht genug empfehlen kann. 5) Der Stuhlgang muß gut
functionieren; Verstopfung steigert den Magensaftfluß. 6) Nehmen Sie doch von
dem auf beiliegendem Recept verschriebenen Pulver 2–3 mal täglich ½ Stunde vor
der Mahlzeit 1 Theelöffel voll. Im übrigen können Sie bei Völlgefühl, Sodbrennen,
Magenschmerzen beliebig viel Natron nehmen: immer 1 Theelöffel voll mit ½
Glas Wasser. Sie sind zu sauer (natürlich nur chemisch genommen) und müssen mit
Alkalien neutralisiert werden. Da das in der Nahrung (besonders im Gemüse) zu-
geführten Alkali dazu anscheinend nicht ausreicht, müssen Alkalien in Form von
Natron, Magnesia [nota] oder dergl. zugeführt werden.— Bei angestrengter geisti-
ger Arbeit ist die Phosphor–Ausscheidung im Urin erhöht (in Form von Salzen der
Phosphorsäure); wahrscheinlich werden die Alkalien aber nicht nur zur Neutrali-
sierung der Phosphorsäure allein sondern auch anderer—organischer—Säuren ge-
braucht. 7) Es ist ganz gut, wenn Sie sich ab und zu hinlegen und heiße Umschläge
auf den Magen machen. Wärme dient nun ja immer als Regulator der aus dem Gleis
gekommener Functionen. So ist es ganz gut, wenn Sie sie—etwa durch Aufbinden
eines Thermophors—stundenlang anwenden. Das wird Sie nicht im Geringsten
beim Arbeiten stören. (Vielleicht erinnern Sie Sich, daß ich Sie einmal wegen der
Herstellung einer transportablen Wärmequelle consultierte; so etwas könnten Sie
jetzt gebrauchen).—
Ich hoffe, daß kein Magengeschwür den Anlaß zu Ihren Beschwerden giebt,
sondern daß nur eine nervöse Störung vorliegt. Immerhin soll Ihnen das eine Mah-
nung sein, Ihrem Centralnervensystem nicht zu viel zuzumuten. Wenn der Motor
sich heiß gelaufen hat, muß man ihn abstellen, damit er abkühlen kann; sonst könn-
te er dauernden Schaden nehmen. So sollten auch Sie in Ihre Arbeit eine Pause ein-
schalten. Nicht bloß durch äußere Schädlichkeiten, auch durch übermäßige
Inanspruchnahme können die Organe irreparabler Schaden erleiden.—
Ich bitte Sie jedenfalls sehr, wie auch die Untersuchung und der Erfolg der oben
gegebenen Verhaltungsmaßregeln ausfällt, mich auf dem Laufenden zu halten.—
Previous Page Next Page