D O C U M E N T 1 7 4 D E C E M B E R 1 9 2 3 2 8 1
Es ist sehr interessant, was Sie über d’Hérelles Beweise für die organisierter Na-
tur seines Virus
berichten.[3]
Bei der Ähnlichkeit mancher Eigenschaften von col-
loid disperser Materie und solchen lebender müßte die allmähliche Anpassung des
Virus an wachsende Säuregehalte des Mediums nach allen Richtungen hin unter-
sucht werden, ehe man sich nach dieser oder jener Richtung entscheiden dürfte; das
Wort „Anpassung“ wirkt da schwer praejudicierend. ¢Bekannt ist das sogen. „Al-
tern“ colloidaler Lösungen, die mit Zustand- und Reactionsänderungen einhergeht.
Die Geschwindigkeit der Verdünnung colloidaler Lösungen ist weitgehend maßge-
bend für ihren Dispersitätsgrad.)² Ich weiß wohl, daß diese Eigenschaft das
Hauptargument für die Annahme belebter Träger des d’H’schen Phaenomens ist.
Aber grade der Umstand, daß andere Beobachtungen gegen diese Annahme spre-
chen, machten ja das Problem so ungeheuer interessant. Vielleicht ist das Virus
wirklich das Mittelglied zwischen belebter und unbelebter Materie. Wenn erst sei-
ne absolute Größe bekannt ist, wird man doch schon ein Stück weiter sein; man
wird dann sehen, ob es aus einer größeren Zahl von Eiweißmolekülen zusammen-
gesetzt sein kann, ob es gar kleiner ist als ein solches. Ferner würde man in der
Lage sein, concentrierte Aufschwemmungen des Virus herzustellen; kurzum ich
glaube, daß die geeichten Ultrafilter der Forschung große Dienste erweisen könn-
ten. Auf d’H’s Nachprüfung der Destillationsversuche bin ich sehr neugierig; die
Arbeit machte doch einen guten Eindruck.—
Ich freue mich außerordentlich darüber, daß Sie in absehbarer Zeit zurückkehren
werden, und daß Sie mir dann von Ihrer Arbeit berichten werden. Ich hatte ge-
glaubt, daß Sie erst den Ausfall Ihrer Versuche abwarten wollten, bevor Sie an die
theoretische Arbeit gingen. Es handelt sich doch um das Experiment, das von der
Zunahme der Wellenlänge monochromatischen Röntgenlichtes bei der Zerstreu-
ung ausging, welches Ihrer theoretischen Untersuchung zu Grunde
liegt?[4]
Hof-
fentlich werde ich in großer Zügen das Wesentliche Ihrer Arbeit, wenn Sie sie mir
auseinandersetzen, ungefähr zu ahnen vermögen; diese Ahnung schon bereitete
mir immer unbeschreiblichen Genuß, wenn Sie mir von Ihren Arbeiten erzählten,
und ich kann Ihnen nicht sagen, wie dankbar ich Ihnen bin, daß Sie mich an Ihren
Freuden teilnehmen lassen.
Bettys[5]
Bräutigam ist ein braver, anständiger, in jeder Beziehung achtenswer-
ter Mann, der nur einen Nachteil hat: er ist 25 Jahre älter als sie. Unter normalen
Umständen wird sie noch ein lebensfrisches Weib sein, wenn er schon ein Greis
ist—und wird ihr eine lange Witwenzeit bevorstehen. Aber anscheinend ist da nicht
mehr viel zu ändern.—
Mein Frau ist in Kolberg, um dort ein Kinderheim
einzurichten.[6]
Sie arbeitet
mit der ganzen Begeisterung, die sie für die ihr heilige Sache erfüllt, trotz der
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