D O C U M E N T 2 1 9 F E B R U A R Y 1 9 2 4 3 3 9
219. To Chaim Weizmann
[Berlin,] 29. II. 24.
Lieber Freund!
Nehmen Sie mirs nicht übel, wenn ich Ihrer und der amerikanischen
Aerzte[1]
liebenswürdiger Einladung nach Amerika nicht Folge leiste. Ich bin einmal dort
gewesen und habe so bekundet, dass mir die Sache teuer
ist.[2]
Mehr könnte ich
jetzt auch nicht thun. Wenn man sein Leben dem Nachdenken gewidmet hat und
nur dafür geschaffen ist, dann muss man dabei bleiben und die „weltlichen“ Dinge
denen überlassen, die was davon verstehen. Ich bitte Sie, dem Aerztekomite den
Dank für die Einladung zu übermitteln und mich dort zu entschuldigen. Ich bin mir
nicht klar darüber, wie ich eine direkte Mitteilung adressieren sollte.
Über Ihre Erfolge in Amerika in der Bekehrung der jüdischen Gross—Gojims
lese ich mit Freude in der jüdischen
Rundschau.[3]
Das Gefühl für die jüdische Sa-
che wird langsam aber sicher bei allen lebendig, indem der Haufe von unten nach
oben ins Glimmen kommt. Hoffentlich bleibts nicht beim nur moralischen Erfolg.
Ihnen und Ihrer
Frau[4]
wünscht Glück und segensreiches Wirken Ihr
A. Einstein.
ALS (IsReWW). [33 371].
[1]The American Jewish Physicians Committee.
[2]On their joint visit to the United States in the spring of 1921 to raise funds for the Hebrew Uni-
versity, see Vol. 12, Introduction, pp. xxviii–xxxiv.
[3]At a recent conference on Palestine held in New York, Weizmann had scored a major break-
through in his attempts to convince influential American Jewish, non-Zionist leaders of the necessity
of an expansion of the Jewish Agency and of large-scale investments in Palestine. The conference,
which took place on 17 February at the Hotel Astor, was presided over by Louis Marshall, president
of the American Jewish Committee, and attended by 150 prominent American Jewish leaders. The
participants, who included “a number of distinguished bankers, jurists, rabbis, and philanthropists”
(“eine Anzahl hervorragender Bankiers, Juristen, Rabbiner und Philanthropen),” greeted Weizmann’s
speeches with “rapturous ovations” (“stürmische Ovationen”; see Jüdische Rundschau, 22 and
26 February 1924). On Weizmann’s previous attempts to enlarge the Jewish Agency, see Doc. 131,
note 2.
[4]Vera Weizmann (1881–1966).
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