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senden dann aber nichts mehr geäußert
haben.[4]
Vielleicht schicken Sie jetzt Bei-
trag oder Absage.
Ich habe schließlich die Bitte, daß Sie mich bei Ihrer lieben
Frau[5]
recht ent-
schuldigen. Sie hat mich im Vormonat einmal nach vielen Jahren eingeladen und
ich habe ablehnen müssen. Mein Befinden ist seit 2 Monaten so, daß ich hie und da
eine Einladung annehme, aber mich den allermeisten entziehen muß und ich ver-
brauche viel Mühe und Zeit es so einzurichten, daß ich nicht für einen schlechten
Freund und nicht für einen armen Krüppel
gelte.[6]
An jenem Tage war es beson-
ders schwer das eine und andere zu vermeiden.
Ich war in Kopenhagen und habe Herrn Bohr gesprochen, der mich 1 ½ Stunden
mit einem Gemisch von Bewunderung und Ablehnung für Ihre Lichtquantentheo-
rie unterhalten
hat.[7]
Auch wenn mein Kopf von der Grippe weniger wüst wäre
wüßte ich seine Ausführungen nur schlecht wiederzugeben. Aber wie seltsam ist,
daß Sie beide auf dem Felde auf dem alle schwächeren Phantasieen und Urteils-
kräfte lange verdorrt sind sich jetzt allein geblieben im tiefsten Gegensatze gegen-
überstehen. Denn er strebt mit allen Fasern zur klassischen Welt zurück und sieht
in den Quanten eine Begleiterscheinung des Energieumsatzes am Atom, er glaubt
nicht mehr, daß die Strahlung den Bahnsprung begleitet, sondern daß der Bahn-
sprung die Strahlungsperiode nur abschließt, die mit der Erregung beginnt und vie-
les
mehr.[8]
Herzlichen Gruß. Ihr Freund
Haber.
ALS. [12 340]. The letter is written on personal letterhead.
[1]Dated by reference to Haber’s two-month presence in Berlin since his return from South Amer-
ica on 14 January 1924 (see Fritz Haber to Mileva Einstein-MariF, 16 January 1924, [75 702]).
[2]Haber had crossed the southern Atlantic Ocean as part of his research into the feasibility of
extracting gold from sea water. While in Buenos Aires, he had tried to raise funds from the local Ger-
man community on behalf of the Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft. He had returned to
Berlin on 14 January 1924 (see Szöllösi-Janze 1998, p. 521, and Fritz Haber to Mileva Einstein-
MariF, 16 January 1924 [75 702]).
[3]Einstein was at issue with Mileva on where to invest Einstein’s Nobel Prize money, which he
had promised to Mileva in their Divorce Decree of 1919 (see Doc. 150 and Fritz Haber to Mileva Ein-
stein-MariF, 16 January 1924 [75 702]).
[4]Albert Haas (1873–1930) was the editor of Phoenix. Zeitschrift für deutsche Geistesarbeit in
Südamerika.
[5]Elsa Einstein.
[6]Following his return to Berlin, Haber suffered from exhaustion and depression (see Szöllösi-
Janze 1998, p. 521).
[7]Niels Bohr.
[8]Bohr had recently published a new quantum theory of radiation without the assumption of light
quanta; see Bohr, Kramers, and Slater 1924a. See Doc. 256 for further details and Einstein’s criticism
of this theory.
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