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gesorgt ist. Es ist so schön, wie es in einem Kloster sein kann, und das will schon
was bedeuten. Es ist nett von Dir, dass Du mir zuliebe auf Dein erstes graues Haar
so stolz bist. Da müssen wir schon alle beitragen, dass nicht viele nachwachsen.
Sonst sagt Deine
Mutter[3]
mit Recht, dass das Tochterchen an dem harten Berlin
und seinen ruchlosen Insassen leidet. Aus Deinem Brief guckt die mollige Grazie
österreichischen Lebens hervor, die ich von Prag her einigermassen kenne, doch
mag Graz noch beschaulicher sein mit dem sanften Lächeln seiner Hofräte und der
nur dem gewiegten Eingeborenen wahrnehmbaren Abwechslung der menschlichen
Erlebnisse und mit dem durch ein bischen Frechheit im Auftreten belebten Etepe-
tete. Ich bin verurteilt, eine deutsche Übersetzung des Lukrez zu lesen, in dessen
naturwissenschaftlichem Hauptwerk auch die Liebe eine sehr gewissenhafte und
überaus drollige Darstellung gefunden
hat.[4]
Das werde ich Euch in Berlin zum
Besten geben.
Freu Dich Deines Lebens und sei mit Deiner lieben Mutter und Deinen beiden
Mannsbildern[5]
herzlich
gegrüsst[6]
von Deinem
Albert.
ALS (IsJNLI/Schwadron Mss. Collection, Einstein Collection). [120 904]. The letter is addressed
“Frl. Betty Neumann Griesplatz Graz (Österreich)” and postmarked “Neu[mühlen Dietrichsdorf]
(Holstein) 14.5.2[4] [---].”
[1]The gyrocompass factory of Hermann Anschütz-Kaempfe and the furbished apartment in which
Einstein resided.
[2]The sailing boat which Anschütz-Kaempfe had purchased (see Doc. 77).
[3]Flora Neumann-Mühsam.
[4]He was preparing a foreword to Lucretius, see Einstein 1924f (Doc. 260). The passage on love
occurs at the end of the fourth book of Lucretius’ De Rerum Natura (for an analysis of the text, see,
e.g., Fitzgerald 1984).
[5]Isidor and Herbert Neumann.
[6]At this point in the original text, Einstein indicates a note he has appended at the foot of the page:
“Der Adressat ist berechtigt, an dieser Stelle die Nase zu rümpfen.”
248. To Elsa Einstein
[Kiel,] 15. V. 24.
Liebe Else!
Du beschämst mich in der That mit Schreiben. Aber Dir liegt das überhaupt
mehr als mir, der eine schwere Zunge und Feder hat. Die Sache mit
Ilse[1]
scheint
ja wirklich recht schlimm zu sein; wenn es wirklich Tuberkulose ist, dann wird sie
aus der Schlemilerei kaum mehr herauskommen. Wie ist das festgestellt worden?
Durch systematische Beobachtung der Temperatur? Mit den Zionisten hast Du
recht. Ich unterschreibe nicht. Wenn ich fortgesetzt überall dabei bin, dann nimmt
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