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Ich kann mir gar nicht recht denken, wo Sie mit all den Männern Fajans,
Bjerrum, Perrin etc. zusammen waren. In Neapel wohl
keinesfalls.[4]
Ich bin wie-
der einmal in meiner Kieler Klause zwischen Grübeln und
Segeln.[5]
Letzteres ge-
lingt leichter.
Es freut mich, dass Sie so gut über Albert
denken.[6]
Mir gefällt er auch in seiner
schlichten vorsichtigen und abgeglichenen Art. Ich hab ihn beim Segeln am besten
kennen gelernt. Sie lachen wohl darüber, aber es ist höchst charakteristisch, wie ei-
ner sich bei momentaner Gefahr in Wind und Wellen verhält. Da zeigt sich die Zu-
verlässigkeit und Nervenstärke und der gesunde Humor. Die Schweiz ist auch die
beste Schule für einen heranwachsenden Menschen.
Ich freue mich über die französischen Wahlen. Das muss ein gesundes Volk sein,
das so bald über die Gefahren des Sieges wegkommt. Kein Übergewicht von Mili-
tär und Reaktion
mehr.[7]
Da könnten sich die hiesigen ein Vorbild nehmen.
Ich hoffe nun doch bald einmal nach Zürich zu kommen. Einstweilen herzliche
Grüsse von Ihrem
A. Einstein.
ALS (SzZuZB, Nachlass H. Zangger, box 1a). Schulmann 2012, p. 413. [89 503].
[1]In Doc. 246.
[2]See Doc. 245.
[3]Einstein had invested part of his Nobel Prize money in the United States (see Doc. 58).
[4]See Doc. 243.
[5]The apartment Hermann Anschütz-Kaempfe had put at his disposal.
[6]Hans Albert Einstein. See Doc. 246.
[7]The first round of the French parliamentary elections was held on 11 May 1924. Two weeks
later, the left-wing coalition (Cartel des gauches) went on to win a majority for the first time (see
Fortescu 2000, p. 177).
250. To Elsa Einstein
[Kiel,] 17. V. 24.
Liebe Else!
Eben kommt Dein Eilbrief. Ich werde mit Goldmann
fahren,[1]
zumal es einen
Tag nach dem Kolloquium ist. Dafür will ich an 27. heimkommen und am 28. im
Kolloquium vortragen, worum mich Laue ersucht
hat.[2]
Bitte teile ihm dies sofort
telephonisch mit. Ich werde mir die Literatur hier zu beschaffen suchen, und wenn
dies nicht möglich sein sollte, Laue bitten, mir dieselbe hierherzusenden. Ich bin
mir gar nicht bewusst, Dir einen unfreundlichen Brief geschrieben zu
haben.[3]
Jedenfalls hast Du Recht, wenn Du die schöne Jahreszeit etwas geniessest. Wir ex-
perimentieren hier tüchtig. Es sind endlos viele Einzelheiten an einem so kompli-
zierten technischen Apparat, die alle überlegt und probiert sein wollen. Ich glaube,
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