D O C U M E N T S 2 5 7 , 2 5 8 M A Y 1 9 2 4 3 9 1
257. To Paul Kersten
[Berlin,] 30. V. 24.
Sehr geehrter Herr!
Über die Bestrebungen, eine Universität zu gründen, die der ostjüdischen Ju-
gend die Möglichkeit des Studiums sichern soll, hätte nichts in die Presse kommen
sollen.[1]
Denn die Schwierigkeiten für die Erreichung dieses Zieles sind ausseror-
dentlich gross und werden dadurch noch vermehrt, dass man sich in breiterer Öf-
fentlichkeit damit beschäftigt. Sicher aber erscheint mir, dass die Errichtung einer
jüdischen Universität an der Grenze zwischen Mittel- und Osteuropa nicht nur für
die Ostjuden segensreich
wäre.[2]
Ich glaube vielmehr, dass insbesondere auch die
deutschen Hochschulen eine wenigstens teilweise Entlastung von dem Zustrom
ostjüdischer Jugend begrüssen würden.
Falls unsere Bemühungen um diese Sache wirklich erfolgreich sein sollten, wer-
de ich gerne bereit sein darüber zu berichten.
Hochachtungsvoll
A. Einstein.
ALS (GyB, SLG, Autographa, Mappe Einstein). Published in the Berliner Hochschul-Nachrichten
(June 1924): 24 without Einstein’s salutation or signature. [78 241]. The letter is addressed “An die
Berliner Hochschul-Nachrichten.”
[1]According to a “report from Geneva” (“[e]iner Meldung aus Genf zufolge”), the International
Committee on Intellectual Cooperation had decided to “propagate the establishment of a Jewish
university in Europe” (“die Errichtung einer jüdischen Universität in Europa zu propagieren”; see
Berliner Hochschul-Nachrichten [June 1924]: 24). Paul Kersten, editor of the journal, had contacted
Einstein, a member of the planned university’s preparatory committee, to ask him for details (see
Abs. 364). For more on the planned project, see Doc. 242.
[2]For Einstein’s previous involvement with the establishment of a Jewish university in Central and
Eastern Europe, see Einstein to Jacques Loeb, 22 September 1922 (Vol. 13, Doc. 368), as well as
Abs. 154 and 164.
258. To Gilbert Murray
Juni 1924 [Berlin, 30 May
1924][1]
Sehr geehrter Herr!
Von einer mehrwöchentlichen Reise zurückgekehrt finde ich Ihr hoch geschätz-
tes
Schreiben[2]
vor, über das ich mich wirklich gefreut habe. Es ist einer ganz of-
fenen Antwort wahrhaft würdig. Ich habe vor mehr als einem Jahre meinen Austritt
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