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Operation zu machen hat, sondern eines, der eine Diagnose zu machen hat. Was
mich selber anbelangt, so bedeutet die Auflösung dieser Beziehung keine Lösung
des Problems, auch nicht ¢für meine Frau, denn ich halte es mit ihr² allein doch
nicht aus. Das muss ich sagen selbst auf die Gefahr hin, von Ihnen für schlecht ge-
halten zu werden. Wenn
aber[2]
ein Mensch dies sagt, der sonst bescheiden ist in
allen Ansprüchen, die er ans Leben stellt und ernst in dem, was er andern schuldig
zu sein glaubt, so kann man nicht einfach drüber weg gehen, wie an einer leeren
Einbildung. Gewöhnlich hat man das Gefühl der Befreiung, wenn man etwas ge-
than hat, das einem schwer fällt, das man aber für recht hält. Dies Gefühl habe ich
aber nicht, sondern das entgegengesetzte, unnatürlich und undankbar gegen das
Schicksal zu handeln.
Schauen Sie also diese Sache an, wie wenn Sie als ein Sehender vom Mars her-
unter kämen und sagen Sie mir dann noch einmal Ihre Überzeugung
[…][3]
P. S. Heute findet die Schnorr-Versammlung
statt.[4]
Ich bin schon neugierig,
wie dies sein wird. Das schlampige Wien gefällt mir wieder sehr; es ist Balsam für
einen Berliner—ob für lange oder gar für immer? Wahrscheinlich nicht, da wir
doch verurteilt sind, nur immer das „Anders“ intensiv zu erleben.
ALPX and PTrLX (Stargardt Auction Catalog 694, Auction 15 and 16 June 2010, Marburg, lot 367).
Fragment. [123 036].
[1]Betty Neumann.
[2]From this word on, the transcription is based on the printed transcription.
[3]The ellipsis appears in the catalog transcription.
[4]Einstein was hosted during his visit by the Austrian committee for the Palestine Foundation
Fund. He addressed prominent members of the Jewish community of Vienna at the Grand Hotel on
“the question of Palestine” (“die Palästinafrage”) on 24 September 1924 (see Appendix D).
325. To Elsa Einstein
Innsbruck 27. IX 24.
Liebe Else!
In Wien ging alles gut; der Erfolg war
günstig.[1]
Schöne Stadt, von der ich aber
nichts hatte, abgesehen vom—Essen. Hier war es hübsch, aber mit Völkerbundsan-
gelegenheiten ist es faul, selbst P. war
bockig.[2]
Suum
cuique[3]
—ich kann nicht
helfen. Heute reise ich nach Zürich. Bei
Meyers[4]
war es sehr gemütlich. In Zürich
werde ich meine Pflichten erfüllen, wie sichs gehört.
Beste Grüsse an Euch alle von Deinem
Albert
AKS. [143 163]. The postcard is addressed “Frau Elsa Einstein Haberlandstr. 5 Berlin” and post-
marked “I[n]nsbruck 2 27.IX.24 13.”
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