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öses Werk im Selbstvergessen ist es
nicht.[2]
Gott steht nicht da sondern Beethoven,
der Mensch. Aber er kanns vertragen, denn er ist ein Riesenkerl. Und doch steht
mir die Verklärung und Selbsentäusserung näher, die Bach und Mozart erreicht ha-
ben, nicht nur mir, sondern ich glaube unserem Zeitempfinden. Die Betonung des
Individuums ist in den letzten hundert Jahren ziemlich verschwunden.
Nochmals dankt Ihnen herzlich Ihr
A. Einstein.
ALSX (GyKöT). [123 062].
[1]Ochs (1858–1929) was the choir director of the Staatliche Akademische Hochschule für Musik
in Berlin.
[2]They performed Beethoven’s Missa solemnis (see Abs. 505).
374. To Morris Rothenberg[1]
Berlin, den 21. 11. 1924.
Lieber Herr Rothenberg,
möge Ihre Arbeit für den Keren Hajessod von Erfolg gekrönt
[se]in.[2]
Möge es
Ihnen gelingen, dem in den Vereinigten Staaten wohnenden Teil unseres Volkes die
Einsicht zu vermitteln von der Grösse und Schönheit und auch von der Notwendig-
keit des in Palästina unternommenen Kolonisationswerkes.
Ich habe unsere Jugend in Palästina bei schwerer unverdrossener Arbeit gese-
hen, die durch bessere Ausstattung und Ausrüstung leichter und fruchtbarer ge-
macht werden
könnte.[3]
Ich habe gesehen, wie die vortreffliche tapfere kleine
Kolonistenschar in Deganiah eine Schuldenlast schleppen muss, die ihr von den be-
güterten Brüdern so leicht abgenommen werden
könnte.[4]
Ihr und all der anderen
Kampf muss erleichtert werden. Ihr Leib muss von allen geschützt werden, denn
sie opfern sich für Seele und Ansehen des ganzen jüdischen Volkes.
Es muss der Nachweis erbracht werden, dass wir ein Volk sind, das noch genug
Lebenswillen und Kraft hat, ein grosses Werk zu schaffen, das unseren Nachkom-
men einigender Mittelpunkt und Stütze sein wird. Was der Tempel für unsere Ver-
fahren bedeutete, das soll das Land für uns und unsere Nachkommen bedeuten.
Oft habe ich gesehen, dass wenn ein Jude dies erst ganz gefühlt hat, er seine
Kräfte freudig in den Dienst der Sache stellt. Möge es Ihnen gelingen, die Schla-
fenden zu wecken und die Wachenden zu entflammen.
gez.
Einstein[5]
TTrL (IsJCZA/KH1/425). [91 539]. The letter is addressed “Palestine Foundation Fund für Herrn
Morris Rothenberg 114 Fifth Avenue New York.” Published in Hebrew translation in Ha-Olam,
12 December 1924, pp. 1017–1018. There are perforations for a loose-leaf binder at the left margin
of the document.
[1]Rothenberg (1884–1950) was chairman of the board of directors of Keren Hayesod in New
York.
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