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Aber wenn man weiss, wie schwer es Künstler haben heutzutage etwas zu ver-
dienen—u. sie ist gezwungen sich u. ihr Kind von ihrer Hände Arbeit zu erhalten—
so kann man begreifen—wenn auch nicht billigen—, dass die kränkliche Frau auch
Mittel benützt, die nicht ganz einwandfrei sind. Sie hat auch uns u. unsere Zürcher
Freunde weidlich ausgenutzt, doch hab ich ihr das gerne verziehen. Sie hat’s
schwer genug.
Ich freue mich ganz riesig auf Margots
Besuch.[9]
Hoffentlich fühlt sie sich dann
auch recht heimisch bei uns. An mir soll’s nicht fehlen. Ich möchte gar gern Ilse
auch einladen. Es täte ihr sicher gut. Aber ihr
Mann[10]
wird nicht weg kommen u.
ohne ihn wird sie nicht gehen wollen. Wenn’s aber doch ginge, so teilt mir dies mit,
dann schreibe ich den Pensionärinnen ab. Aber Margot sowohl als alle Ihr müsst
als reiner Besuch kommen. Gelt? Sonst ist mir’s nicht wohl. Dies um allen Mis-
sverständnissen vorzubeugen.
Ein Tröpfchen Wermut fällt doch in meinen Freudenkelch. Warum solltest Du
uns herb u. ernst schreiben, liebe Elsa? U. warum schickt uns Albert persönlich
keine Zeile damit wir sehen können, er tut’s gerne? Das sieht fast aus als hätte er
irgend Grund uns zu misstrauen oder zu zürnen. U. ich weiss wirklich nicht wes-
wegen. Er kam ja auch alleine auf den Gedanken. Ich hätte es nie gewagt, um so
etwas zu bitten. Nicht einmal die Hypothek zu übernehmen, geschweige denn so
ein Geschenk zu machen. Ich möchte so gern, dass alles klar zwischen uns ist, drum
schreibe ich dies u. bitte um Auskunft.
Sind denn deine Augen schlechter geworden, liebe Elsa, weil Du eine Kur ma-
chen willst? Wenn Dir nur der Wundermann hilft! Das ist die Hauptsache.
Ja, unsere Korrespondenz blüht u. ist sehr erfreulich. Gelt? Möge es so bleiben!
In Liebe u. Dankbarkeit Eure
Maja.
ALS. [29 398].
[1]See Doc. 364.
[2]Paul Winteler.
[3]Sophie Schnyder (see Doc. 364).
[4]Hermann Einstein.
[5]See Doc. 391.
[6]Margot Einstein.
[7]Ilse Kayser-Einstein had been ill in the spring (see Doc. 248).
[8]Louise Albert-Lazard (1884–1934) was a German-Jewish artist.
[9]Maja had invited her two weeks earlier (see Doc. 378).
[10]Rudolf Kayser.
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