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gegen Painlevé erhoben hat. Ich lege Ihnen das Schriftstück bei und auch die Ant-
wort, die Carathéodory an
Brouwer[5]
geschrieben hat. Eine Gegenäusserung
Brouwers ist bisher nicht erfolgt. Ich stimme vollkommen mit Carathéodory über-
ein. Wenn sich keine Eingung erzielen lässt, müssen wir die Sache innerhalb der
Hauptredaktion (Sie
Hilbert,[6]
Cara und ich) entscheiden. Ich bitte Sie also, mir
Ihre Ansicht mitteilen zu wollen. Sie kennen ja die Pariser Verhältnisse genau, wis-
sen auch, ob es möglich ist, direkt an Hadamard heranzutreten, ohne Painlevé zu
kränken. Ich würde, um des sehr empfindlichen Brouwers willen, diesen Ausweg
befürworten, da ich die Aufforderung an Painlevé nur für Formsache halte. Aber
nur unter der Bedingung, dass die Einladung an Hadamard darunter nicht leidet,
denn auf diese kommt es sehr wesentlich an.

TTrL. Fragment. Appended to Doc. 429. [6 109.3].
[1]A special issue of Mathematische Annalen was envisaged for the centenary of Bernhard Rie-
mann’s birth.
[2]Paul Painlevé.
[3]Jacques Hadamard.
[4]Constantin Carathéodory (1873–1950) was Professor of Mathematics at the University of
Munich.
[5]Luitzen E. J. Brouwer (1881–1966) was Professor of Mathematics at the University of Amsterdam.
[6]David Hilbert.
396. To Louis A. Bauer[1]
Berlin, den 16. 12. 1924
Hochgeehrter Herr Kollege:
Ich danke Ihnen herzlich für die Zusendung Ihrer interessanten
Arbeiten[2]
und
freue mich, in ein oder zwei Jahren mit Ihnen persönlich über die wichtigen Pro-
bleme sprechen zu
können,[3]
die durch Ihre Beobachtungen aufgeworfen worden
sind. Vor etwa zwei Jahren entstand ein falsches Gerücht des Inhalts, dass ich eine
neue Beziehung zwischen Relativitätstheorie und der Theorie des Erdmagnetismus
gefunden
hätte.[4]
Merkwürdigerweise ist mir dann vor einem halben Jahr ein Zu-
sammenhang aufgefallen, der in dieses Kapitel gehört, ohne dass es mir jedoch bis-
her gelungen wäre, wirklich zur Klarheit zu kommen.
Es scheint mir so gut wie ausgeschlossen, dass man das magnetische Feld der
Erde, der Sonne und der Sonnenflecken durch elektrische Leitungs- oder Konvek-
tionsströme erklären
kann.[5]
Es macht vielmehr den Eindruck, als ob rotierende
neutrale Materie in ähnlicher Weise magnetisch wirksam wäre wie eine der Dichte
der Materie proportionale negative elektrische
Masse.[6]
Man erhält so merkwürdi-
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