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471. To Elsa and Margot Einstein
[Buenos Aires,] 3. IV. 25.
Meine Lieben!
Gestern erhielt ich Deinen erst Brief, l. Else mit den vielen Krankheitsmeldun-
gen. Hoffentlich ist nun alles wieder im Blei, wie sichs gehört. Auf dem Schiff be-
dauerte ich sehr,
Margot[1]
nicht mitgenommen zu haben, aber nun hat es sich doch
als richtig erwiesen. Ich glaube, ich bekehre Euch doch noch gegen die Medizin!
Ich habe nun schon eine Woche von dem Rummel in Boenos Aires hinter mir. Das
Schönste war, dass ich am 1. IV. in einem Flugzeug über Boenos Aires über 1000
m hoch geflogen
bin.[2]
Die Leute sind sehr lieb und nett zu mir, und die Familie
Wassermann erleichtert mir das Leben in jeder
Weise.[3]
Wenn ich so allein und un-
geschützt im Hotel wohnte, würde ich es nicht durchhalten können. Eine Woche
(vom 7. bis 14. werde ich fast ganz meine Ruhe haben, abgesehen von einer Reise
nach Cordoba am 11
IV.[4]
Am 23. IV fahre ich nach Montevideo und etwa am 1.
V nach Rio, von wo am 12. mein Schiff zurück nach Hamburg abgeht. Wenn es nur
schon so weit wäre. Das Affentheater ist eigentlich im Ganzen uninteressant und
recht anstrengend. Bei Robert war ich schon einen Abend und werde noch einen
andern Abend dort sein (Samstag); sein Prinzipal L. Dreyfus ist
da.[5]
Er besitzt
eine Milliarde Franken und ist so geizig, dass er in Roberts Bett schläft statt im Ho-
tel. Eine derartige Reise werde ich nicht mehr machen, auch nicht, wenn sie sich
besser rentiert; es ist eine grosse Schinderei. Das Land hier ist merkwürdig genau,
wie ich es mir vorgestellt habe, New York, etwas durch südeuropäische Rassen ge-
mildert, aber genau so äusserlich und seelenlos. Ich möchte hier nicht sein. Nach
Cordoba komme ich nur ganz kurz, sodass ich mit
N[6]
kaum zu schaffen haben
werde. Deine Frau
Hirsch[7]
wusste nicht, wer Du warst, aber schliesslich habe ich
doch den Anschluss herstellen können. Es ist ein von Reichtum triefendes Haus
voll Kunstschätze. Der Mann ist einer der mächtigsten Geldmenschen in Argenti-
nien,[8]
ein interessanter Mensch zum einmal-ansehen. Zu meinen Vorträgen
kommt regelmässig der argentinische Minister des
Auswärtigen[9]
—zum Zeichen
der ächten Demokratie, wo sich keiner zum Lernen zu gut ist. Aber im Ganzen gilt
hier nichts als Geld und Macht, wie in Nordamerika. Unter den Jungen gibt es aber
doch auch Bessere, wie in Amerika.
Seid herzlich gegrüsst von Euerm
Albert.
Die Hälfte der Vorträge hab ich hinter mir, gottseidank Hoffentlich seid Ihr bei gu-
ter Gesundheit.
ALS. [143 185]. Written on letterhead “Bruno John Wassermann 579 Azopardo Buenos Aires.”
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