D O C U M E N T 4 7 4 A P R I L 1 9 2 5 7 4 3
Herzliche Grüsse an Euch alle von Deinem
Albert.
AKS. [143 283]. The card is addressed “Frl. Margot Einstein Haberlandstr. 5 Berlin (Germany)” and
postmarked “Buenos Aires Abr 13 1925 20*.”
[1]At Llavallol.
474. To Elsa and Margot Einstein
[Buenos Aires,] 15. IV. 25
Meine Lieben!
Was ich alles erlebt habe! Ihr werdet es in meinem Tagebuch
nachlesen.[1]
Alles
in allem ist es recht gut gegangen, aber mein Kopf ist wie mit einem Kochlöffel in-
wendig durcheinandergerührt. Wenn
Wassermanns[2]
mich nicht so gut schützten,
wär ich wohl schon meschugge geworden; so nur zur Hälfte. In einer Woche fahre
ich nach Montevideo, dann um den 11V nach Rio. Am 11. fährt von dort mein
Schiff[3]
nach Hamburg ab. Gesundheitlich habe ich alles gut überstanden. Man ist
sehr gut zu mir auf allen Seiten. Die deutsche Kolonie ignoriert mich vollkommen,
was das Einfachste für mich ist; sie scheinen noch nationalistischer und antisemi-
tischer zu sein als in Deutschland
selbst.[4]
Der deutsche
Gesandte[5]
aber ist sehr
aufmerksam zu mir; er wird von den Deutschen hier boykottiert, weil er liberal ist.
Man lacht hier allgemein über die politischen Thorheiten der Deutschen.
Ich bin froh, dass Ihr nun wieder ordentlich auf dem Damm seid. Eure Nachrich-
ten vom 18. März habe ich gestern bekommen bei meiner Rückkehr aus Cordoba.
Mit Nicolai bin ich sehr ordentlich gewesen. Er hat nicht nach seinem Söhnchen
gefragt und ich habe also auch nichts davon
gesagt.[6]
Er trägt immer noch Mono-
kel ist ziemlich gealtert, hat immer noch eine Riesenschnauze und —passt sehr gut
nach Cordoba. Die feineren Köpfe nehmen ihn aber auch hier nicht ernst. Bis jetzt
hab ich 8 Vorträge und eine Unmenge offizielle Essen hinter mir. Einmal hats mir
auf den Darm geschlagen in Laplata, nachdem wir im “Jokey-Klub” gegessen
hatten.[7]
Hierauf sagte ich den Weisen von Boenos Aires, ich müsse dort etwas von
einem Rennpferd gegessen haben, weil ich darauf so viel hätte laufen müssen.
Durch diesen schönen Witz hab ich mir viel Sympathie erworben, weil man hier
den Witz sehr liebt. Die Zeitungen sind ebenso frech und zudringlich wie in Nord-
amerika. Überhaupt bestehen trotz der rassenhaften Verschiedenheit der Bewohner
grosse Aehnlichkeiten, die durch das Zusammenwürfeln der Bevölkerung, den na-
türlichen Reichtum des Landes zu erklären sind. Es gibt aber doch auch schon Bo-
denständiges, eine Art Volksmusik, die mich sehr interessiert hat. Man frisst hier
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