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schwer blamiert hat durch ihren Entschluss mich zu
ignorieren.[4]
Für mich bedeutet
es aber eine Belastung mehr. Gestern hat mich der Bürgermeister herumgefahren
und mir die Hotels gezeigt, die die Stadt selber gebaut
hat.[5]
Sie betreibt dort ein
Roulette à la Monte Carlo mit viel Erfolg. Dies Ländchen trieft von Reichtum. Es
ist plötzlich so kalt geworden, dass man an Europa erinnert wird. Umso heisser wird
es dann in Rio sein, das ja ein ganz tropisches Klima hat. So wie hier bin ich kaum
je im Leben verwöhnt worden, aber mein Gehirn ist wie mit dem Kochlöffel umge-
rührt, sodass es mir schwer denkbar erscheint, dass es wieder zu etwas Vernünfti-
gem wird gebraucht werden können. Ich hoffe aber doch. Es ist vielleicht doch bes-
ser, dass Du nicht dabei bist l.
Margot;[6]
denn die lange Zeit voll gesellschaftlicher
Verpflichtungen wäre Dir sehr auf die Nerven gegangen, noch mehr als mir.
Ich grüsse Euch alle herzlich als Neffe, Schwiegersohn Mann, Stief- und
Schwiegervater
Euer
Albert.
Eure Briefe kriege ich erst in Rio auf dem Schiff. Ich bin immer gesund und munter.
ALS. [143 188]. Written on letterhead of “Naum Rossenblatt Montevideo.”
[1]Naum Rossenblatt.
[2]The SS Valdivia.
[3]On the lecture, see Doc. 455, note 77. The minister of foreign affairs was Juan Carlos Bianco.
The president of the Republic was José Serrato. The president of the Senate was Juan Antonio Buero.
[4]For the reception by the German community in Montevideo, see Doc. 455, entry for 28 April
1925. For the reception in Buenos Aires, see Doc. 455, entry for 17 April 1925, and Doc. 474.
[5]The president of the Administrative Council of Montevideo, Luis P. Ponce (see Doc. 455, entry
for 26 April 1925).
[6]Margot Einstein.
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