7 0 D O C U M E N T 2 2 J U L Y 1 9 2 7 [5] Ilse Kayser-Einstein, who was possibly suffering from a recurrence of a bout of gallstones or from a nervous disorder (see Einstein to Elsa Einstein, 29 September 1926 [Vol. 15, Doc. 373], and Doc. 120, note 2). [6] Margot Einstein was convalescing in Zuoz in the canton of Graubünden (see Eduard Einstein to Hans Albert Einstein, 7 August 1927 [75 747]). [7] Probably Alexander and Bertha Moszkowski (1859–1942). 22. From Moritz Schlick[1] Wien IV. 14. Juli 1927 Prinz-Eugen-Str. 68 Hochverehrter lieber Herr Professor, für Ihre freundlichen Zeilen und für die liebenswürdige Absicht, Fräulein Ro- senberg bei ihren palestinensischen Plänen zu unterstützen,[2] sage ich Ihnen mei- nen allerherzlichsten Dank, im Namen meiner Schülerin und in meinem eigenen. Frl. R. konnte Ihnen damals den beabsichtigten Besuch nicht machen, da sie Berlin plötzlich verlassen mußte. Sie wird aber voraussichtlich im Herbst zurückkehren und sich dann mit Ihrer Erlaubnis in den Schutz Ihrer freundlichen Empfehlungen begeben. Ich weiß nicht, ob es Sie interessiert, aber ich möchte Ihnen doch gerne mittei- len, daß ich jetzt mit der größten Begeisterung bemüht bin, mich in die Grundlagen der Logik zu vertiefen. Die Anregung dazu verdanke ich hauptsächlich dem Wiener Ludwig Wittgenstein, der einen (von Bertrand Russell englisch und deutsch her- ausgegebenen) “Tractatus logico-philosophicus” geschrieben hat, den ich für das tiefste und wahrste Buch der neueren Philosophie überhaupt halte.[3] Allerdings ist die Lektüre äußerst schwierig. Der Verfasser, der nicht die Absicht hat, je wieder etwas zu schreiben, ist eine Künstlernatur von hinreißender Genialität, und die Dis- kussion mit ihm gehört zu den gewaltigsten geistigen Erfahrungen meines Lebens. Seine Grundanschauung scheint mir die Schwierigkeiten des Russellschen Sy- stems spielend zu überwinden, und im Prinzip auch die ganze Grundlagenkrise der gegenwärtigen Mathematik.[4] Ich glaube viel gelernt zu haben und kann kaum sa- gen, wie primitiv und unreif meine Erkenntnistheorie mir jetzt erscheint.[5] Verzeihen Sie bitte, daß ich Ihnen von diesen Dingen erzähle, da Sie doch wahr- scheinlich mit ganz andern Problemen beschäftigt sind. Aber wes das Herz voll ist, des läuft der Mund über, und da ich mich entsinne, daß Sie sich vor zwei Jahren für Russells mathematische Philosophie interessiert hatten, und nicht weiß, ob Sie schon irgendwie auf die Wittgensteinsche Logik aufmerksam geworden sind, so nahm ich mir die Freiheit, darauf als auf etwas wirklich Großes und Tiefes hinzu-
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