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Jahres verschiedene Male die Liebenswürdigkeit, mir das Ausreise-Visum unent-
geldlich zu geben. Ich wurde jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass diese Hand-
habung jedes Mal mit ziemlichen Schwierigkeiten verknüpft sei, die sogleich
behoben wären, wenn ich einen diplomatischen Pass besitzen würde. Ich wage da-
her, Sie, hochgeehrter Herr, höflichst zu ersuchen, mir und meiner Frau einen
Diplomaten-Pass ausstellen zu lassen. Für Erfüllung meiner Bitte wäre ich Ihnen
zu ganz besonderem Dank verpflichtet, da dieselbe nicht nur eine grosse Ersparnis
an Geld, sondern auch eine grosse Erleichterung meiner Reise überhaupt bedeute-
te. Ihrer geschätzten, eventuel telephonischen, Rückäusserung (Nollendorf 2807)
gern entgegensehend, bitte ich, diese Bemühung gütigst entschuldigen zu wollen.
Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung Ihr ergebener
TLC. [29 179.12]. The letter is addressed “An die Schweizerische Gesandtschaft Berlin.” Address
from TTrL [29 179.11]. There are perforations for a loose-leaf binder at the left margin of the
document.
[1]At the time, the Swiss ambassador in Berlin was Hermann Rüfenacht (1867–1934).
362. To Max Wertheimer
Berlin, den 18. IX. 22.
Lieber Wertheimer!
Ihr Vorschlag Brinkmann ist an sich
annehmbar,[1]
ich hätte Sie aber entschieden
lieber dort, weil ich Sie viel gründlicher kenne. Sie sind ausschliesslich als mein
persönlicher Vertreter dort, mit dem Ministerium hat die Sache offiziell garnichts
zu tun. In wieweit und ob Sie das Ministerium informieren wollen bezw. sollen,
hängt ganz von Ihrer Entschliessung ab. Was jetzt in Genf stattfindet, ist keine Sit-
zung unserer Commission, sondern eine Sitzung des
Völkerbunds-Rates.[2]
Aber
es ist möglich, dass noch während des Spätherbstes eine Sitzung von etwa einer
Woche stattfindet, wenn nicht, dann wohl im ersten Vierteljahr nächsten Jahres.
Die Tatsache, dass Sie Tschecho-Slowak und Jude sind, ist ganz unerheblich, es ist
schon ein Entgegenkommen gegenüber dem Ministerium, dass ich überhaupt einen
Vertreter wähle. Bei Brinkmann fällt erschwerend in’s Gewicht, dass er mehrere
Jahre (Vielleicht jetzt noch) am Auswärtigen Amt angestellt war bezw. ist. Er
macht mehr den Eindruck eines Diplomaten als eines Gelehrten. Die Sprach-
schwierigkeit ist dadurch gemildert, dass Frau Curie und der Sekretär der Commis-
sion[3]
ordentlich Deutsch können. Sie brauchen ja in den Sitzungen nicht aktiv
hervorzutreten, sondern können sich mit den Einzelnen in Verbindung setzen.
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